Venezuela schlägt usa im baseball-krimi – trump fordert den 51. staat
3:2 in Miami, aber die Zahl interessiert keinen mehr. Venezuela feiert seinen ersten World-Baseball-Classic-Titel, und die Hauptstadt bebt. Caracas tanzt. Die Leute schreien sich die Kehle heiser, weil sie endlich wieder etwas haben, das sie selbst nennen dürfen: eine Nacht, in der niemand an Stromausfälle oder Lebensmittelkarten denkt.
Delcy rodriguez erklärt den mittwoch zum feiertag
Die geschäftsführende Präsidentin lässt Schulen und Behörden dichtmachen, nur Krankenhäuser bleiben offen. "Lang lebe Venezuela", twittert sie, während auf der Avenida Francisco de Miranda jemand eine US-Flagge in einem Haufen Baseballschuhe verbrannt. Die Polizei schaut weg. Ein paar Kids klauen Bier aus einem überrumpelten Laster, und keiner ruft die Nationalgarde. Das ist keine Revolte, das ist kollektive Atemtherapie.
Im Clubhouse von Ronald Acuña Jr. fließt Champagner über die Kisten mit dem Aufdruck „Made in USA“. Der Outfielder der Atlanta Braves weint nicht länger, er lacht laut, bis seine Stimme bricht. „Mein Land brauchte diesen Titel“, sagt er, und klingt dabei wie ein Mann, der gerade eine Hypothek abbezahlt hat, nicht wie ein Profi, der 15 Millionen Dollar pro Saison kassiert.

Trump schaltet sich ein – und liefert das nächste hashtag
Während die venezolanische Mannschaft noch auf dem Feld kauert, schlägt Donald Trump auf Truth Social zu. „STATEHOOD!!!“ steht da, drei Ausrufezeichen, keine Erklärung. Die Botschaft ist klar: Wenn das kleine Venezuela schon im eigenen Stadion die USA schlagen kann, dann soll es eben Teil der Union werden. Die Ironie: Gerade haben die Südamerikaner bewiesen, dass sie ohne Washington auskommen.
Die politische Folie ist kaum zu übersehen. Seit Nicolás Maduro Anfang des Jahres von US-Spezialkräften abgesetzt und nach New York geflogen wurde, steht das Land ohne gewählten Präsidenten da. Rodriguez regiert von einem Schreibtisch im Palacio de Miraflores, aber die Straße feiert nicht sie – sie feiert Luis Arráez, den zweiten Baseman, der mit zwei Hits und einem gefühlvollen Slide das 3:2 erzielt hat.
In der World Baseball Classic, dem Drei-Jahres-Turnier, das MLB-Commissioner Manfred gern als „Baseball-WM“ verkauft, war Venezuela bisher immer nur Statist. Nun stehen sie oben, während die USA mit 55-Millionen-Gehaltslisten nach Hause fahren und Manager Mark DeRosa die Schultern zuckt. „Wir haben die Bats schlafen lassen“, sagt er. Das reicht als Erklärung nicht, wenn das ganze Land nebenan kollektiv durchdreht.
Die US-Regierung schweigt bislang offiziell zu dem Erfolg des Nachbarn. Stattdessen kursieren Memes, die die venezolanische Flagge über die Skyline von Washington montieren. Die Witze treffen einen Nerv, denn sie erinnern an die alte Monroe-Doktrin: Alles süd der Rio Grande gehört uns – außer, wenn sie uns im Baseball schlagen.
Um Mitternacht Ortszeit verlassen die letzten Fans das loanDepot Park. Ein Mann trägt ein selbstgemaltes Schild: „Baseball ist Politik mit Handschuhen“. Er lacht, weil er weiß, dass morgen die Stromausfälle zurückkommen. Aber heute Nacht hat Venezuela endlich wieder eine Geschichte, die keine Warnung vor Sanktionen oder Migrationsdruck ist. Eine Geschichte, die mit einem 3:2 beginnt und mit einem einzigen Satz endet: Wir waren besser – und das reicht.
