Velbert spielt sich frei: drei top-u23s, ein ziel – klassenerhalt klappt nur mit siegen
Die SSVg Velbert hat kein Zeit mehr für Selbstmitleid. Während die Konkurrenz am vergangenen Wochenende punktete, musste die Mannschaft von Trainer Bogdan Komorowski zuschauen – verlegt, wegen eines UEFA-U-19-Turniers auf dem eigenen Platz. Nun kommt Schalke II, dann Dortmund II, danach Köln II. Drei Zweitvertretungen, drei Finals. „Zweitvertretungen sind immer ein Brett – erst recht drei hintereinander“, sagt Sportchef Michael Kirschner. Die Rechnung ist simpel: Ohne Punkte gegen diese Teams ist der Abstieg besiegelt.
Totgesagte leben länger – aber nur mit toren
Noch im Januar stand Velbert bei acht Zählern, galt als erledigt. Seitdem holte das Team unter Komorowski Luft, schaufelte sich Stück für Stück zurück ins rettende Ufer. Doch der Angriff schlummert weiter: 26 Treffer in 28 Spielen – Liga-Schlusslicht vorne. Die Abwehr stabilisierte sich, die Punkte aber bleiben aus, wenn vorne nichts zündet. „Die Mannschaft hat immer wieder Lösungen gefunden“, betont Kirschner. Nur: Lösungen nützen nichts, wenn sie nicht im Netz landen.
Die Personaldecke wird dünner. Leon Jonah Lepper fällt nach Kreuzband-OP und Folgeeingriff bis Jahresende aus. Noah Abdel Hamid wird in dieser Saison nicht mehr rennen. Weitere Leistungsträger fehlen langfristig. „Da kommt nicht mehr viel zurück“, sagt Kirschner und klingt das erste Mal müde. Doch er schiebt nach: „Wenn einer nur Regionalliga spielen will, dann unterhalten wir uns nicht.“ Die Philosophie steht: Nur, wer den Weg mitgeht, darf mitlaufen.

Planung läuft ligaunabhängig – kontinuität als waffe
Kurzfristig kämpft Velbert ums Überleben, langfristig baut der Klub bewusst auf Kontinuität. Das Trainerteam um Komorowski wurde bereits verlängert – egal, in welcher Liga man 2024/25 kickt. Jonas Büchte und Benjamin Hemcke unterschrieben ebenfalls. Bei Timo Böhm sollen Optionen gezogen werden. Leihgaben wie Arthur Golubytskyi (Rot-Weiß Erfurt) oder Nicolas Westerhoff (Fortuna Köln) entscheiden ihre Klubs selbst. „Da haben wir keinen Einfluss“, sagt Kirschner. Offene Kaderplätze sollen Flexibilität im Sommer garantieren – regionale Oberligen und die U-19 liefern das Material.
Ein Blick Richtung Düsseldorf schleicht sich ein. Sollte Fortuna in die 2. Liga zurückfallen, müsste deren U23 in die Oberliga – und nur zwei Teams stiegen aus der Regionalliga ab. Kein Wunder, dass man in Velbert die Tabelle der zweithöchsten Spielklasse mitverfolgt. Offiziell hält man sich raus. „Am Ende müssen wir auf uns schauen“, sagt Kirschner. Doch jeder im Klub weiß: Ein Sieg gegen Schalke II am Samstag und das Kalkül wird erstmals wieder realistisch.
Komorowski will angreifen. „Wir spielen auf Sieg“, sagt er. Drei Finals warten – und vielleicht noch ein kleines Wunder in Düsseldorf. Die Uhr tickt. Aber sie ist noch nicht abgelaufen.
