Vanoli zerreißt seine mannschaft nach debakel: das war selbstzerfleischung

Paolo Vanoli sprach nicht einfach von einer „Niederlage“. Er sprach von einem Exorzismus, den seine Fiorentina sich selbst verpasst hat. 0 Torschüsse, 0 Stolz, 0 Punkte in Udine – das 0:3 gegen die Friauler war keine Pokalpleite, sondern ein Offenbarungseid.

„Wir kamen immer zweite“ – vanoli kassiert sich selbst ein

Der Coach, sonst ein Meister der Betonung, wählte nach dem Schlusspfiff Worte, die scharf wie Rasierklingen sind: „Wir wussten, dass Udine eine körperliche Truppe ist, aber wir kamen immer zweite am Ball.“ Kein „leider“, kein „vielleicht“. Nur die nackte Feststellung, dass seine Viola den Anspruch auf europäisches Niveau bereits in der Kabine abgegeben hatte.

Die Statistik, die ihm dabei auf dem Tablet der Analysten entgegenblinkte, ist brutaler als jedes Presseviertel: Kein einziger Torschuss innerhalb von 90 Minuten. Zum Vergleich: Selbst der abstiegsbedrohte US-Sassuolo schoss in dieser Saison zuletzt vier Mal aufs Tor – und verlor trotzdem. Fiorentina dagegen lieferte Ballbesitzfußball ohne Finale, ein Monolog ohne Pointe.

3-5-2 Als notoperation – rugani war „keine 90-minuten-lösung“

3-5-2 Als notoperation – rugani war „keine 90-minuten-lösung“

Vanoli bekannte sich zur Dreierkette, aber nur als Rettungsanker: „Die Ausfälle haben uns kompliziert, vor allem der von Solomon. Die Innenverteidiger waren nach der Conference-League-Partie müde, ich brauchte mehr Deckung.“ Danilo Rugani, erst 72 Stunden zuvor mit 38 °C Fieber auf der Bank, wurde zur Notlösung – und brach trotzdem nach 63 Minuten ein. „Er konnte die 90 Minuten nicht gehen, aber die Situation war, wie sie war“, so Vanoli. Eine Einsicht, die wie ein Schuldeingeständnis klingt.

Kean? „Tibiakopf-Problem, schleppt er seit Wochen mit sich.“ Gudmundsson? „Hätte zwischen die Linien auftauchen sollen, aber wir haben ihn nie gesucht.“ Die Aufzählung klingt wie ein Lehrbuch für „Worauf es ankommt, wenn es drauf ankommt“ – geschrieben von jemandem, der gerade selbst versagt hat.

Conference-league-fluch: viola verliert den faden – und die champions-league-chance

Die Pleite in Udine war nicht nur die zweite Saisonniederlage in Folge, sondern warf die Viola aus den Europacup-Plätzen. Ein Blick auf den Kalender zeigt, warum das wie ein Todesstoß wirkt: In den nächsten 14 Tagen warten Atalanta (Auswärts) und das Rückspiel gegen Maccabi Tel Aviv. Verliert Fiorentina beide Partien, liegt sie sieben Punkte hinter Rang vier – und das bei noch acht Spielen.

Vanolis Appell an die Mannschaft klang wie ein letzter Warnschuss: „Es wird gefährlich, weiter Schläge einzustecken. Das müssen die Jungs endlich kapieren.“ Der Satz, im Fernsehinterview leise gesprochen, hallt durchs Franchi-Stadion wie ein Echo der eigenen Unzulänglichkeit.

Die Fans werden ihm noch eine Chance geben – aber keine zweite 0-Torschuss-Show. Denn in Florenz gilt seit 1926: Schönspielen ist kein Programmpunkt, Siegen schon. Und wer nicht mal schießt, kann auch nicht treffen.