Van der poel gegen pogacar: die 117. milano-sanremo wird zum klassiker-duell
In fünf Tagen kracht es auf der Via Roma. 298 Kilometer, fünf Anstiege, ein Ziel. Die 117. Milano-Sanremo wirft ihren Schatten voraus – und wirft zwei Namen auf die Bühne, die inzwischen das Maß aller Dinge sind: Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar.
Der holländer mit der handbremse, der slowene mit dem turbo
Van der Poel kennt die Via Roma als persönliche Siegertribüne. 2023 spurtete er sich in die Legende, 2025 wiederholte er den Trick. Beide Male fuhr er sich mit einem Angruck auf dem Poggio die Seele aus dem Leib und die Konkurrenz aus dem Rad. Die Tirreno-Adriatico war sein persönlicher Probelauf: zwei Etappenzähler, keine Gnade. Wer ihn auf der letzten Rampe noch einmal angreift, muss sich fragen, ob er nicht einfach nur dessen Hinterrad zerreißt.
Pogacar hingegen trägt die Nummer zwei auf dem Rücken, aber die Eins in der Stirn. Kein Sieg in Sanremo, zwei dritte Plätze, dafür ein Appetit, der sich mit keiner Pasta stillen lässt. Bei Strade Bianche ließ er Schächten im Staub, als hätte er vergessen, dass Radfahren auch Mühe kosten kann. Seit Flandern 2024 teilen sich die beiden die Monumente unter sich auf wie zwei Paten, die den Rest des Feldes nur noch zur Dekoration brauchen.

Italiens geheimwaffe trägt die uhr am lenker
Doch die Classicissima ist keine Mathematik. Sie ist ein Roulette mit 200 Kugeln. Wer Filippo Ganna schon als Außenseiter bezeichnet, hat die letzten zwei Jahre verschlafen. Zweimal Zweiter, beide Male mit der Uhr im Kopf und dem Blick auf die Uhr am Lenker. Wenn der Poggio zur Schießbahn wird, zündet er den Turbo bei 55 km/h, und plötzlich sind Van der Poels Sprungkraft und Pogacars Dampframpe nur noch Formsache. Die Frage ist nicht, ob er kann – sondern, ob die anderen noch einen Gang finden, den sie selbst nicht kennen.
Die Wetterfrage ist offen, die Taktik ein offenes Geheimnis. Alpecin wird das Tempo auf der Cipressa in Stücke reißen, UAE auf dem Poggio den Rest. Zwischen den beiden Teams steht ein Feld, das nur noch mitspielt, weil die Regel es verlangt. Die 117. Ausgabe wird nicht die längste, aber vielleicht die schnellste. Wer zuerst oben auf dem Poggio ist, darf unten in Sanremo den Blick auf das Mittelmeer genießen – und auf den anderen, der hinter ihm vergeblich den Sprint öffnet.
Am Samstag um 10:10 Uhr fällt der Startschuss in Pavia. Um 17:10 Uhr fällt der Vorhang auf der Via Roma. Dazwischen liegen 298 Kilometer, sechs Stunden pure Rad-Geschichte – und ein Duell, das längst größer ist als das Rennen selbst. Wer gewinnt, darf sich einen Monat lang „König der Classicissima“ nennen. Wer verliert, muss bis Flandern warten. Die Uhr tickt. Die Rampe kommt. Und die Via Roma wartet nur auf den, der sie als Erster berührt.
