Valverde zieht sich zurück – athletic schaltet auf angriff um
Die Bombe platzte am Freitag, doch im Klub war sie schon Wochen lang tickend durch die Gänge gerollt: Ernesto Valverde wird den Athletic Club nach Saisonende verlassen. Kein Rauswurf, keine Revolte – nur die nüchterne Erkenntnis, dass seine dritte Amtszeit nach 263 Pflichtspielen keine neue Geschichte mehr schreibt.
Die quittung für einen herbst, der alles verspielte
Champions-League-Achtelfinale nach zehn Jahren Abstinenz, Laporte zurück, Nico Williams geblieben – das Sommermärchen war perfekt. Doch schon der September riss die Seiten auf: Gruppenphase mit 0/12 Punkten gegen Benfica und Salzburg, Pokal-Aus im Baskenderby gegen Real Sociedad. Die Mannschaft fand nie die Sprache, die Valverde seit 2022 mit ihr sprach.
Der 2:4 in Girona vor elf Tagen war das letzte Signal. Spieltag 27, 63. Minute: Stoßstange-Doppelpack von Artem Dovbyk, Michel jubelt, Valverde kaut unentweits Kaugummi. 48 Stunden später bat er Präsident Jon Uriarte um ein Gespräch und sagte das, was niemand laut aussprechen wollte: „Ich bin der Moment.“

Die kabine antwortet – und die buchmacher korrigieren
Die Antwort folgte am Sonntag gegen Betis. 2:0, Berenguer mit Slalom, Guruzeta mit Kopf – und plötzlich liegt Athletic wieder auf Europakurs. Die Wettbüros kürzen die Quote für eine Conference-League-Qualifikation von 9,0 auf 3,2, weil sie wissen: Mit neun Spielen und drei Punkten Rückstand auf Real Betis ist alles drin.
Der Restprogramm liest sich wie ein Who-is-Who der Spanischen Tortur: Getafe (Auswärts), Villarreal (Heim), Osasuna (Auswärts), Atlético (Heim), Celta (Auswärts), Real Madrid (Heim). Keine Beute, keine Träume. Doch genau das haben sie in Bilbao lieben gelernt: Wenn der Trainer geht, rennt die Mannschaft ihm hinterher.
Valverde wird den Höhepunkt nicht mehr miterleben – er hat ihn selbst entzündet. Am 25. Mai gegen Real Mallorca wird er sich in San Mamés verabschieden, 53 000 Röche werden „Txingurri“-Rufe an die weiße Decke schicken. Dann bleibt eine Bilanz, die nur in Bilbao möglich ist: 133 Siege, zwei Trophäen – und eine Entscheidung, die den Verein wieder wachküsst. Ohne ihn, aber wegen ihm.
