Valverde rettet uruguay mit 94-minute-penalty: „ich hatte nie zweifel“

Fede Valverde stand am Elfmeterpunkt, als Wembley den Atem anhielt. 94. Minute, 2:2, und der Madrilene zog die Kugel flach ins rechte Eck. Uruguay hatte sich gerade noch aus den Klauen der Three Lions befreit – und Valverde aus der Routine eines Mittelfeldmotors, der plötzlich zum Matchwinner mutierte.

„Ich wollte eigentlich, dass ein stürmer schießt“

Die Szene war pure Dramatik. Reece James hatte Giménez umgerissen, Schiedsrichter Marciniak zeigte sofort auf den Punkt. „Vier, fünf Jungs kamen auf mich zu und schrien ›Fede, du musst!‹“, erzählt Valverde im Mixed-Zone-Gewirr. „Normalerweise dränge ich die Torjäger, damit sie Selbstvertrauen tanken. Aber diesmal sagten sie: ›Wir vertrauen dir.‹ Dabei hatte ich gerade erst mein drittes Länderspiel in Folge bestritten – nach 14 Monaten Zwangspause wegen Adduktorproblemen.“ Der 25-Jährige lacht, zieht das Trikot aus der Hose. „Das Tattoo von meinem Sohn hat heute gezittert, aber der Ball war fest.“

Die Statistik: Sein viertes Tor im 62. Länderspiel, das erste per Elfmeter. Und das erste, das direkt ein WM-Qualifikations-Ticket wert ist. Denn der Punkt gegen England bedeutet Tabellenplatz zwei hinter Argentinien – mit einem Spiel weniger.

Bielsas geheimplan: valverde als falscher sechser

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Wer den Real-Akteur in LaLiga verfolgt, kennt ihn als dynamischen Rechtsaußen, der diagonal in den Strafraum donnern kann. Gegen Southgate agierte er tief, fast als dritter Innenverteidiger. „Marcelo und ich haben die Woche über vier Stunden Video geschaut“, verrät Valverde. „Er sagte: ›Du bist mein Katalysator. Du spielst heute interior, morgen vielleicht wieder die rechte Bahn.‹ Das System lebt, es atmet – und ich atme mit.“

Tatsächlich gewann Uruguay 54 % der Zweikämpfe in der eigenen Hälfte – plus 11 % zum Vorkampf. Valverde selbst klärte sieben Bälle, mehr als jeder Kollege. „Ich bin kein Defensivspezialist, aber ich hasse es zu verlieren. Das reicht manchmal als Taktik.“

Die Uhr naht 1:30 Uhr in London, der Bus wartet. Valverde gräbt sein Handy aus der Tasche. Darauf ein Foto: sein Sohn Benicio im Mini-Camiseta, Arm erhoben. „Er schläft jetzt, aber meine Frau schickt mir die Aufnahme. Das ist mein nächstes Tor – ich will, dass er mich in Katar live sieht.“

Uruguay fliegt am Donnerstag nach Montevideo, Spiel gegen Bolivien in drei Tagen. Valverde wird wieder laufen, irgendwo zwischen Mittellinie und Strafraum. Wo genau? „Marcelo ruft es schon vom Zaun. Ich bin bereit – und diesmal brauche ich keinen Elfmeter.“