Wirtz zaubert, kimmich verzweifelt: 4:3-sieg der dfb-elf entlarvt 79 tage vor wm die große angst

Basel, 79 Tage vor Houston: Florian Wirtz liefert vier Scorer-Punkte, die Schweiz kassiert die erste Heimniederlage gegen Deutschland seit 18 Jahren – und Julian Nagelsmann bekommt vor allem eins geschenkt: Albträume.

Vorne ein fest, hinten ein offener dauerbrenner

Vorne ein fest, hinten ein offener dauerbrenner

4:3 lautet der Endstand, 2:2 zur Pause, 7 Tore in 90 Minuten, die die Defensive der DFB-Elf so entblößten wie ein harmloser Handtuchwurf im Fitnessstudio. Wirtz trifft doppelt, legt zweimal auf – und wird trotzdem nicht zum Matchwinner erklärt, weil sein Team hinten jede einzelne der drei Gegentore selbst einlädt. Joshua Kimmich führt die Mannschaft als Kapitän, wirkt aber eher wie ein Notarzt, der zwischen den Seelen rettet, statt wie ein Regisseur, der das Spiel kontrolliert.

Die Pressestimmen klingen wie ein gebrochenes Versprechen. Die Bild titelt: „Vorne schon hui, hinten noch pfui“, die Süddeutsche Zeitung spricht von einem „Gala-Auftritt“, der „die Probleme der DFB-Elf überdeckt“. Selbst die internationale Presse feiert das Spektakel, nicht die deutsche Stabilität. Die Gazzetta dello Sport nennt es „das unglaublichste Spiel des Abends“, die Marca attestiert Wirtz ein „gesamtes Repertoire aus dem Hut“. Doch niemand vergisst die Zahlen: drei Gegentore gegen eine Schweiz, die seit 2012 nicht mehr gegen Deutschland gewann.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: 79 Tage vor dem WM-Auftakt in den USA hat Nagelsmann eine Mannschaft, die vorne zaubern kann, aber hinten noch auf die Schnelle eine Lösung sucht. Die gute Nachricht: Wirtz ist fit. Die schlechte: Nico Schlotterbeck und Co. wirken, als hätten sie das Regelwerk erst gestern entdeckt. Die WM startet am 12. Juni in Houston. Die Uhr tickt lauter als der Basler Regen gegen das Fenster der deutschen Kabine.