Valencia feiert 3.000 liga-spiele – doch die gegenwart trübt den jubel
Valencia, ein Verein mit einer wechselvollen Geschichte, hat ein historisches Kapitel aufgeschlagen: 3.000 Partien in der spanischen Primera División. Doch während die Anhänger an glorreiche Momente erinnern, überlagert die düstere Realität der Gegenwart den Jubel. Der Kampf um den Klassenerhalt ist ernst, und der Druck auf Trainer Carlos Corberán wächst.
Ein steiniger start vor fast einem jahrhundert
Die Geschichte dieses Meilensteins ist eng verwoben mit einem Umbruch in der spanischen Gesellschaft. 1931, nur eine Woche nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse, wurde die Zweite Republik ausgerufen. Die Folge: Monarchische Symbole mussten aus den Vereinswappen verschwinden. So trat Valencia in der Saison 1931/32 ohne königliche Insignien an und wurde im ersten Spiel gegen den Espanyol mit 0:3 verhauen – ein Demütigendes Debüt. Doch dieser holprige Start markierte den Beginn einer bemerkenswerten Geschichte der Widerstandsfähigkeit.
Ein Blick zurück zeigt, dass der Verein trotz schwieriger Anfänge unvergessliche Triumphe feierte und auch tiefe Enttäuschungen erlebte. Vor 40 Jahren, in einer Zeit großer Turbulenzen, drohte der Abstieg – eine Parallele, die sich heute wiederholt. Valencia ist zwar der vierte Verein in Spanien, der diese magische 3.000-Spiele-Marke erreicht hat (nach Real Madrid, Barcelona und Athletic Bilbao), doch die aktuelle Lage ist alles andere als ermutigend. 35 Punkte auf dem Konto, nur drei Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone – sieben Spieltage vor Saisonende stehen die Zeichen alles andere als gut.

Mestalla, das bollwerk der hoffnung
Das Auswärtsspiel gegen Mallorca wird daher zu einer Art Endspiel. Doch die Erinnerung an die ersten Schritte des Vereins in der höchsten Spielklasse in Mestalla, dem legendären Stadion, ist noch lebendig. Juan Costa erzielte in der zweiten Spielminute des zweiten Spiels das erste Tor für Valencia in der Primera División – ein Moment, der die Fans in Euphorie versetzte. Antonio Emery, der Großvater des heutigen Trainers Unai Emery, hütete damals das Tor des Gegners, des [Real] Unión de Irún.
Die ersten Jahre waren von einer ungewöhnlichen Konstanz geprägt: Während die Auswärtsspiele oftmals in Niederlagen endeten, ließ sich Valencia zu Hause nicht bezwingen. Die zweite Saison in der Primera División brachte dann den entscheidenden Moment: Ein Unentschieden gegen Alavés, das den Klassenerhalt sicherte. In einer Zeit politischer Umwälzungen bot der Fußball einen stabilen Anker.

Von „elektrischen stürmern“ zu zamora-preisen
Nach dem Bürgerkrieg entwickelte sich Valencia zu einer der führenden Mannschaften Spaniens, mit einer schier unglaublichen Offensive, allen voran Mundo, der in sechs Saisons 186 Tore erzielte. Mario Alberto Kempes, zweifacher Torschützenkönig und Held der Weltmeisterschaft 1978, katapultierte den Verein international auf die Landkarte. Die legendären Torhüter Eizaguirre und Santiago Cañizares, der mit drei Zamora-Titeln seine Klasse unter Beweis stellte, prägten ebenfalls die Geschichte des Vereins.
Die Rückkehr zur Meisterschaft ließ fast drei Jahrzehnte auf sich warten, doch dann kam Alfredo Di Stéfano, der mit einer soliden Defensive und einem herausragenden Torwart (Abelardo gewann den Zamora-Preis) den Titel in einer dramatischen letzten Begegnung sicherstellte. Rafa Benítez, der mit relativ geringer Erfahrung in die Primera División kam, führte Valencia in den Jahren 2001 und 2004 zu zwei weiteren Meisterschaften – eine Ära des Erfolgs, die auch mit internationalen Triumphen verbunden war. Albelda, mit 187 Siegen in 351 Spielen, und Fernando, mit einem unerreichten Rekord von 420 Einsätzen, sind lebende Legenden des Vereins.
José Luis Gayá, der aktuelle Kapitän, steht kurz davor, Albelda in der Rangliste der meisten Einsätze in der Primera División zu überholen. Doch in dieser schwierigen Zeit trägt er eine schwere Bürde. Die aktuelle Lage ist besorgniserregend. Valencia steht vor einer ähnlich schwierigen Situation wie 1986, als der Abstieg in die Segunda División nur knapp vermieden werden konnte. Die 3.000 Spiele voller Höhen und Tiefen zeugen von der kämpferischen Mentalität des Teams, doch die Erfolge der Vergangenheit helfen wenig im gegenwärtigen Kampf um den Klassenerhalt.
