Usa-debakel 75 tage vor wm: belgien schießt gastgeber mit 5:2 ab

Atlanta stand Kopf. 75 Tage vor dem Eröffnungspfiff der WM in den eigenen Stadien kassierte das US-Team eine 2:5-Klatsche gegen Belgien – und mit ihr einen Realitätscheck, der wehtut. Dodi Lukebakio, einst bei Fortuna Düsseldorf als Wechselgeldspieler belächelt, wurde zum Henkelmann der Amerikaner und schraubte das Ergebnis mit zwei späten Treffern auf Schützenfest-Niveau.

Pochettinos plan ging in rauch auf

Mauricio Pochettino hatte die Partie als Feuerprobe angekündigt, doch das Feuer richtete sich gegen seine eigene Elf. Nach einer soliden ersten Halbzeit – Weston McKennie hatte die Führung erzielt – kollabierte die US-Defensive binnen 20 Minuten. Zeno Debst glich noch vor dem Pausenpfiff aus, danach rissen alle Dämme. Amadou Onana köpfte ein, Charles De Ketelaere verwandelte einen Handelfmeter, und Lukebakio schraubte das Ergebnis auf 5:1, ehe Patrick Agyemang nur noch Ergebniskosmetik betrieb.

Malik Tillman, von Bayer Leverkusen mitgereist, wirkte in der Schlussphase wie auf Sparflamme. Die amerikanische Mittelfeldmaschine stotterte, die Abwehr wirkte wie improvisiert. Pochettino starrt nun auf eine Statistik, die lautet: drei Gegentore aus Standards, zwei nach Ballverlusten im Aufbau. Das ist kein Zufall, das ist Lehrbuchmaterial für zukünftige Gegner.

Belgien lacht, usa rechnet

Belgien lacht, usa rechnet

Für die Roten Teufel war der Abend ein Schaukasten. Lukebakio lieferte die Visitenkarte ab, De Ketelaere bewies, dass seine Sanierung in Mailand Früchte trägt. Trainer Domenico Tedesco hatte seine Startelf bewusst jung gehalten – Durchschnittsalter 24,3 Jahre – und trotzdem wirkte die Mannschaft wie ein geschliffenes Kollektiv. Die US-Bank dagegen wirkte ratlos, die einzige Aufregung entstand, als Pochettino in der 75. Minute vier Wechsel auf einmal vornahm, was selbst den Stadionsprecher ins Stottern brachte.

Die Gruppenphase der WM wirft bereits ihre Schatten. Die USA treffen auf Australien, Paraguay und den Playoff-Sieger Kosovo/Türkei – ein Programm, das plötzlich nicht mehr nach Viertelfinale klingt. Belgien reist nach Gruppe G mit Ägypten, Iran und Neuseeland – ein Los, das nach diesem Abend wie ein Geschenk aussieht.

Die Uhr tickt. In 75 Tagen erklingt in Los Angeles der Antritt, doch die amerikanische Euphorie bekam in Atlanta einen Riss, der bis nach Kansas City zu sehen ist. Wer so verteidigt, wird nicht nur Tore kassieren – er wird Geschichte kassieren.