Usa: fußballfieber vereint trump-anhänger und linke – ein wunder?

Los Angeles bebte gestern förmlich Fußballgeschichte. Während die Welt staunend zusah, wie die amerikanische Nationalmannschaft im SoFi Stadium gegen Paraguay einen beeindruckenden Sieg feierte, schien für einen Moment die tiefe politische Spaltung des Landes vergessen. In einer Arena, in der sich normalerweise Hollywood-Glamour und sportlicher Elan vereinen, saßen gemeinsam Anhänger Donald Trumps und überzeugte Liberale, vereint durch die Hoffnung auf einen historischen WM-Triumph.

Ein unerwarteter moment der einheit

Ein unerwarteter moment der einheit

Der Anblick des kalifornischen Gouverneurs Newsom, der Seite an Seite mit einem überzeugten Trump-Unterstützer saß, sprach Bände. In einem Land, das oft von hitzigen Debatten und ideologischen Gräben geprägt ist, schien der gemeinsame Fußballgeist eine Brücke zu bauen. Die USA, traditionell eher dem American Football und Basketball zugewandt, erleben gerade eine regelrechte Fußball-Euphorie – angetrieben von der Heim-WM und der beeindruckenden Leistung der Mannschaft.

Ein besonderer Blickfang war zweifellos Christian Pulisic, der mit seinem Auftritt und der Autogrammstunde im offenen Training für Aufsehen sorgte. Seine Leistung auf dem Platz, gepaart mit der Leidenschaft, die er und seine Teamkollegen ausstrahlten, entfachte eine Welle der Begeisterung im Stadion. Das frenetische “U-S-A”-Rufen, das aus den Rängen dröhnte, ließ keine Zweifel daran, dass diese Mannschaft die Herzen der amerikanischen Bevölkerung erobert.

Die WM als Spiegelbild der Nation Doch was steckt hinter diesem vermeintlichen Einheitsgefühl? Es ist unbestreitbar, dass die Fußball-WM zu einem gigantischen Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft geworden ist, einem Ort, an dem sich die unterschiedlichen politischen und kulturellen Strömungen begegnen. Während die “tiefe” Amerika, mit ihren verschlossenen Grenzen und der Skepsis gegenüber internationalen Institutionen, in der Leistung der Mannschaft eine Bestätigung ihrer Werte sieht, entdeckt das liberale und kosmopolitische Amerika eine neue Wertschätzung für den “soccer”.

Es ist ein Phänomen, das auch den Präsidenten Donald Trump nicht unberührt lässt. Obgleich er oft für seine polarisierende Rhetorik bekannt ist, scheint auch er die Chance zu nutzen, die WM für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Die Tatsache, dass gerade die Gruppe, die ihm gegenüber eingestellt ist, sich so enthusiastisch hinter der Nationalmannschaft stellt, ist ein ironischer Seitenhieb auf die politische Landschaft des Landes.

Mauricio Pochettino, der Trainer mit lateinamerikanischem Herz, hat mit seiner unermüdlichen Wiederholung von “Why Not Us?” eine Frage aufgeworfen, die in den USA für Diskussionen sorgt: Warum nicht Amerika? Warum nicht kann die Heimmannschaft diesen Traum verwirklichen und die Weltmeisterschaft gewinnen?

Die kommenden Spiele werden zeigen, ob diese anfängliche Euphorie Bestand hat und ob die WM tatsächlich eine nachhaltige Veränderung im Fußballverständnis der USA bewirken kann. Denn eines ist klar: Die amerikanische Nationalmannschaft hat mehr als nur ein Spiel gewonnen – sie hat eine Nation in ihren Bann gezogen.