Goldrausch in cortina: forster jagt vier weitere medaillen nach party-nacht
Anna-Lena Forster hat gerade die Krüge vom ersten Gold gestellt, da denkt sie schon an die nächsten. Fünf Hundertstel – so dünn war der Vorhang, der sie in Cortina zur Siegerin machte. Jetzt liegen vier Rennen vor ihr, vier weitere Mal die Chance, sich in die Geschichtsbücher zu ritzen.
Von der nervosität zum nervenkitzel
Sie gibt es zu, die Angst. Vor dem Start hatte die 30-Jährige das Herz so laut klopfen, dass sie es im Helm hörte. Dann kam der Schwung, das leise Surren der Kante im harten Schnee, und plötzlich war alles leise. Nach dem Finish schaute sie nur zur Anzeige, sah die 0,05 Sekunden Vorsprung und ließ sich fallen. „Ich hab keine Bedenken mehr“, sagt sie, während ihre Familie im Deutschen Haus schon die Sektkorken knallen lässt. Der Buffettisch ist halb leer, die Hymne noch im Ohr, da fragt sie schon: „Warum nicht noch einmal?“
Am Montag geht’s weiter mit dem Super-G, direkt danach Super-Kombination, Riesenslalom und Schlussendlich Slalom – ihre Paradedisziplin. Fünf Goldmedaillen hat sie schon, vier davon holte sie bisher bei Winterspielen. Die neue Trophäe steht zwischen Prosecco-Gläsern und dreckigen Handschuhen, als wäre sie ein mehr oder weniger zufälliger Gast auf der Feier.

Die taktik nach dem ersten triumph
Forster weiß: Wer einmal gewonnen hat, fährt leichter. Die Last der Erwartung sitzt nun auf den Schultern der Konkurrenz. Sie selbst kann angreifen, muss nicht retten. „Die Goldmedaille nimmt Druck raus, aber sie macht hungrig“, sagt sie und lacht dabei, als hätte sie gerade ein Geheimnis ausgeplaudert. Ihre Physiotherapeuten haben frei bekommen, das Team darf ausschlafen. Dann geht’s zurück auf die Piste – vier Mal, vier Chancen, ein ganzes Wintermärchen in einer Woche.
Die Uhr im Deutschen Haus zeigt kurz nach Mitternacht, draußen schneit es leicht über Cortina. Forster steht auf, umarmt ihre Mutter, steckt sich ein Stück Sachertorte in den Rucksack und verschwindet Richtung Athletendorf. Den letzten Satz ruft sie über die Schulter: „Morgen ist Training, aber heute hab ich noch ein Date mit dem Kopfkissen – und mit dem Traum von vier weiteren Goldstücken.“
