Forster jagt nach gold-coup von cortina: noch vier rennen, noch vier chancen
Anna-Lena Forster hat die erste Gold-Sensation von Cortina geritzt – und trinkt keine Sekunde lang ab. Fünf Hundertstel trennten sie im Slalom-Auftakt von Silber, fünf Hundertstel zwischen Triumph und Albtraum. Jetzt liegt die 30-Jährige bereits wieder im Startbock, der Super-G wartet Montag um 9.30 Uhr. Vier Wettkämpfe, vier mögliche weitere Goldschläge. Die Rechnung ist einfach, die Druckstufe brutal.
Nach dem krimi folgt der buffetsieg
Im Deutschen Haus tobte die Party bis nach Mitternacht. Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) gratulierte, das Buffet wurde geplündert, der angehende Feierabend mit Familie und Fanklub besiegelt. Doch der Muskelkater blieb aus. „Ich habe keine Bedenken für die nächsten Tage“, sagte Forster, während sie sich ein Energy-Bar in die Skihose schob. Ihre fünfte Winterspiel-Goldmedaille hängt nicht mehr um den Hals – sie steckt jetzt im Kopf. Psychologische Munition.
Die Slalom-Königin von Pyeongchang und Beijing kennt die Balance zwischen Ekstase und Fokus. Sie weiß: Wer nach dem ersten Sieg durchdreht, verliert in Cortina die Linie. Also ging sie vor dem Frühstück ins Physio-Zelt, ließ sich die Oberschenkel auskneten und checkte die Kanten ihrer Stöcke. Kein Instagram-Story-Blitz, kein Sponsoren-Shooting. Stattdessen Blick auf die Super-G-Strecke: 1,8 km, 480 Höhenmeter, zwei Sprungschanzen, eine Traverse, die bei Eis frisst.

Die angst vor der angst ist weg
Vor dem Slalom-Start gestern war sie „am liebsten umgedreht“, wie sie zugab. Nerven wie Stahlseile. Die Goldmedaille schnitt sie ab, die Unsicherheit auch. „Ich glaube, dass es hilft, dass ich jetzt schon eine Goldmedaille habe“, sagt sie – und meint nicht den Glanz, sondern den Beweis, dass ihre Linie auf dem harten Cortina-Eis funktioniert. Das Wissen wirkt wie ein interner Anti-Panik-Modus.
Übrig bleiben noch Super-Kombination, Riesenslalom und der Slalom, ihre „Lieblingsdisziplin“. Die Konkurrenz schlittert mit weichen Knien: Forsters Devise lautet „Vollgas in jeder Kurve“, und sie meint es wörtlich. Ihre Sit-Ski-Konstruktion wurde Nacht für Nacht justiert, die Schwingungsdämpfer um zwei Millimeter angehoben – ein Mikro-Detail, das über Podest oder Pech entscheidet.
Am Dienstag ruht das Rennen, nicht das Hirn. „Wir werden auf jeden Fall darauf anstoßen“, sagt sie, aber der Sektkorken knallt erst, wenn die vierte Goldchance vergoldet ist. Bis dahin bleibt das deutsche Teamcamp hell erleuchtet. Der Plan: Keine Sekunde Schlaf verschenken, denn Cortina schreibt Geschichte im Minutentakt. Und Anna-Lena Forster will die meisten Kapitel selbst schreiben.
