Geppi cucciari lädt zur nacht der gäste: musik, politik und ein oscar-abgewiesener
Mailand, 19. März 2026 – Geppi Cucciari verwandelt die Rai-Cultura-Bühne in ein Kaleidoskop aus Stimmen, Klängen und Widersprüchen. Splendida Cornice startet um 21.15 Uhr, und schon nach dem ersten Promoclip wird klar: Diese Sendung will diskutieren, bis die Autoradio-Boxen glühen.
Dargen d’amico serviert doppelt mozzarella, limahl bringt den soundtrack der 80er mit
Der italienische Songwriter Dargen D’Amico, frisch aus dem Sanremo-Fieber, stellt sein neues Album vor – ein ironischer Titel, Doppia Mozzarella, der sich wie ein Versprechen liest: doppelt Käse, doppelt Seele. Dazu gesellt sich Limahl, der britische NDW-Held, dessen „The NeverEnding Story“ noch immer jede Hall of Fame sprengt. Das internationale Trio L’Antidote (Rami Khalifé, Bijan Chemirani, Redi Hasa) liefert mit „Pomegranate“ die Weltmusik-Note, die Cucciari gern als Gegenpol zu den Pop-Rettern inszeniert.
Doch der muskelbepackte Abend will auch die Köpfe trainieren. Paolo Di Paolo, der Rom-Autor und Essayist, liest aus seinem neuen Buch – ein Text über Erinnerung und verlorene Stadtklänge. Jacopo Veneziani, Kunsthistoriker mit Hang zum Barock, erklärt, warum Splendida Cornice selbst wie ein Gesamtkunstwerk wirkt. Und Ettore Andenna, der Moderator von „Giochi senza Frontiere“, erinnert daran, dass Fernsehen einst Grenzen sprengte – statt Visa zu verteilen.

Motaz malhees: oscar-traurig, visa-los
Der palästinensische Schauspieler Motaz Malhees sitzt in Mailand, weil ihn Los Angeles abwies. Sein Film „La voce di Hind Rajab“ gewann in Venedig den Silbernen Löwen, doch die US-Botschaft verweigerte die Einreise. Cucciari nutzt die Studio-Monitorwand, um das rote Teppich-Foto von Malhees neben einem leeren Stuhl zu platzieren – ein Bild, das lauter ist als jedes Statement. Das Publikum, zusammengesetzt aus Autocertificati – Rentner aus der Bar, Frauen mit Doppelrolle, Azubis aus dem sozialen Brennpunkt – reagiert mit stehenden Ovationen, bevor das erste Wort fällt.
Milly Carlucci schlüpft zwischendurch in ihre Moderationsuniform: Ab 21. März präsentiert sie „Canzonissima“, keine Castingshow, sondern ein Battle der Songs. „Die Melodie gewinnt, nicht der Instagram-Filter“, wirbt sie in einer Live-Impro-Performance mit der Hausband. The Jackal bringt Kinder ins Bett – spät. Ihr Format „Stasera a letto tardi“ startet auf Rai 2 und verspricht, dass Erwachsene endlich vor dem Einschlafen noch lachen dürfen.

Die band klingt, das hirn arbeitet
An der Seite der Gäste: Nicola Ballo Balestri, einst Bassist bei Cesare Cremonini und Gründer von Lùnapop, führt eine Crew, die zwischen Autoradio und Klarinette pendelt. Amalia Ercoli Finzi, Pionierin der italischen Raumfahrttechnik, schaltet sich per Live-Schalte ein und erklärt, warum Satellitenmusik die Seele nicht ersetzt. Giuseppe Antonelli, Linguist, zerpflückt in Echtzeit die Metaphern der Musiker – und stellt fest, dass „Doppia Mozzarella“ grammatikalisch korrekt ist, kulturell aber ein Paradox.
23.55 Uhr, Sendeschluss. Die Zuschauerzahlen liegen noch im Verdunkeln, doch die Trending-Liste spricht schon: #SplendidaCornice schießt auf Platz eins, #MotazMalhees auf Platz zwei. Cucciari zieht sich ihre charakteristische Brille zurecht und flüstert in die Kamera: „Sport verbindet – aber Kunst erlaubt, dass wir die Regeln neu schreiben.“ Die Band spielt einen letzten Akkord, der wie ein Sprint klingt. Die Lichter dimmen. Die Diskussion tobt weiter – draußen, drinnen, online. Splendida Cornice ist keine Sendung mehr, sondern ein Abonnement auf Widerspruch. Und der läuft auf unbestimmte Zeit.
