Annalisa provoziert mit suora-pornodiva-zeile – jetzt schlägt sie zurück

„Suora oder Pornodiva?“ Diese Frage schlägt derzeit italienische Diskussionen entzwei. Popstar Annalisa hat in ihrer Single Canzone estiva zwei Extreme gegeneinander geworfen – und damit eine Woge von Vorwürfen ausgelöst, die von Blasphemie bis zur Verharmlosung religiöser Symbole reichen.

Die 38-Jährige präsentiert sich im Video mal in Nonnengewändern, mal in aufreizenden Posen. Die Bilder polarisierten sofort. Kritiker wie Bloggerin Selvaggia Lucarelli warfen ihr vor, mit Heiligem zu kokettieren. Annalisa kontert im Interview mit der Corriere della Sera: „Das bin ich, das ist mein Stil.“

Warum gerade diese worte?

Die Sängerin erklärt die Wortwahl als bewussten Dialogaufruf. „Hätte ich ‚brav‘ und ‚frech‘ gesagt, wäre kein Blatt davon getan“, lacht sie. „Ich habe extreme Begriffe gewählt, weil mir genau diese Paarung seit Jahren von Medien und Fans untergeschoben wird.“ Die Religion spiele dabei für sie keine Randrolle: „Der Glaube fasziniert mich, er ist Teil meiner Biografie.“

Dass ausgerechnet sie der Heiligkeit beschmutzt wird, empfindet sie als „billig“. Ihr Argument: Das Stück sei „Pop im Sinne von populär“ – also Volksmusik für Clubs, Kirchen und TikTok gleichermaßen. Die Empörung der Traditionalisten lässt sie kalt. „Wer sich beleidigt fühlt, sollte vielleicht genauer hinhören, statt reflexartig zu klicken.“

Die Zahlen geben ihr Recht. „Canzone estiva“ stieg innerhalb von 24 Stunden auf Platz zwei der italienischen Spotify-Charts ein. Die YouTube-Klicks kratzen inzwischen an der 5-Millionen-Marke. Ein Schelm, wer darin bloß Provokation erkennen will.

Der preis der provokation

Der preis der provokation

Doch nicht jeder applaudiert. Katholische Verbände kündigen rechtliche Schritte an, Radio-Moderatoren sprechen von „Rufmord am Gewissen“. Annalisa bleibt gelassen: „Kunst darf reizen. Wenn wir vor Angst nicht mehr fragen dürfen, sind wir angekommen im Zeitalter der Lautstärke, aber ohne Inhalt.“

Die italienische Musikindustrie beobachtet die Debatte mit Genugtuung. Denn eines ist sicher: Wer streitet, hört – und streamt. Die Marketingabteilung von Sony Music Italien dürfte bereits die nächste Single planen. Ob Nonnen-Outfit oder Lack-Look: Der Karren der Aufmerksamkeit rollt, und Annalisa sitzt vorne.