Von dončić bis rovella: ex-basket-profi moretti feiert kino-debüt

Adriano Moretti war fast Profi, heute lacht Italien über ihn. Der 27-jährige Römer startet mit „Notte prima degli esami 3.0“ seine Filmkarriere – und bringt dabei seine Leidenschaft für Sport, Social Media und die Lazio mit ins Kino.

Vom spielfeldrand in die kinoläufte

„Ich war kein Supertalent, aber ich konnte spielen“, erzählt Moretti, während er zwischen zwei Promotion-Terminen in einem Café in Trastevere sitzt. Von fünf bis 19 Jahren stand er als Aufbauspieler auf dem Parkett, gewann mit Stella Azzurra die Scudetti der U15 und U20, war bei Junioren-Nationalteam-Sichtungen dabei und sammelte Selfies mit Luka Dončić, bevor der Slowene NBA- MVP wurde. „Diese Disziplin, dieses tägliche Ziel vor Augen – das habe ich nie abgelegt. Nur eben statt Korb jetzt das Publikum im Visier.“

Die Entscheidung, den Ball gegen das Mikro zu tauschen, fiel kurz vor dem Abitur. „Ich wusste, dass ich in der B-Serie landen würde, und das reichte mir nicht. Ich wollte wieder das Gefühl von Null, von Ungewissheit.“ Er bewarb sich am Centro Sperimentale, zog nach Turin, schlug sich mit Nebenjobs durch, während er Castings absolvierte. TikTok wurde zur kreativen Ventilöffnung: 468 000 Abonnenten später folgte der Anruf von Regisseur Tommaso Renzoni.

Warum fußball-stars seine sketche liken

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Morettis Markenzeichen: Er beobachtet. Ob Bastoni, Kalulu oder Daniel Maldini – sie alle kennen seine Clips, in denen er römische Ultra-Charaktere parodiert, sich als Stadion-Ruf-Trainer versucht oder einfach die Alltagsverrücktheiten der Kurve auseinander nimmt. „Sportler erkennen sich. Wir sind dieselben Typen, nur mit anderer Bühne.“ Besonders stolz ist er auf den Kontakt zu Nicolò Rovella, Mittelfeldstratege der Lazio. „Wir schreiben ab und zu. Er ist jung, hungrig – genau wie ich damals am Basketballkorb.“

Die Biancocelesti durchleben gerade eine Saison voller Stolpersteine, trotzdem schwört Moretti auf sein Jahresabo im Olimpico. „Wir haben den Klassenerhalt geschafft, was schon fast ein Wunder ist. Und das 4:0 gegen Milan war wie ein Playoff-Sieg: plötzlich glaubt jeder wieder.“ Beim Derby gegen die Roma will er live dabei sein, seine Tour „Listen to me, Adriano“ endet am 29. April in der Sala Umberto – nur wenige Gehminuten von der Kurve Nord entfernt.

Die veroneser spur und ein offener wunsch

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Kritiker vergleichen Moretti mit Carlo Verdone, weil auch er die kleinen Helden der Großstadt porträtiert. „Das nehme ich als Kompliment, auch wenn ich natürlich meinen eigenen Ton suche.“ Derzeit liest er Drehbücher, würde gern eine Sportkomödie schreiben, in der ein ehemaliger Basketballer als Fitnesscoach in eine verrückte Fußballmannschaft gerät. „Das wäre meine Hommage an beide Welten.“

470 000 Menschen schauen täglich auf sein Handy, um zu sehen, wie er das Alltagschaos zerlegt. Die Quote seiner Karriere? „Erstes Kino-Debüt, ausverkaufte Tour, 468 000 Follower – aber die wichtigste Zahl steht noch aus: Der Derby-Sieg und drei Punkte für Rovella und Co.“, sagt er und lacht. Dann zahlt er für seinen Espresso und verschwindet in Richtung Centro, wo das nächste Casting wartet. Der Ball ist weiterhin rund – nur eben jetzt voller punchlines.