Kolumbien stellt sich auf den heftigsten el niño seit 140 jahren ein
Kolumbien zittert vor einem
Klima-Monster. Die pazifische Wasseroberfläche heizt sich so stark auf, dass Meteorologen längst vom „Super-Niño“ sprechen – einem El-Niño, der die Messlatte der Extreme verschiebt. Der Zeitpunkt: spätestens Oktober 2026. Die Folge: Dürre, Stromrationierung, teures Essen, brennende Berghänge. Und das alles könnte 2027 noch einmal nachlegen, warnen das Ideam und internationale Agenturen.Warum dieser niño stärker wird als 1982, 1998 und 2015
Die Temperatur-Anomalie im zentralen und östlichen Pazifik klettert laut aktuellen Modellen bereits jetzt auf über 2,5 °C. Das reicht aus, um die Passatwinde umzukippen und das Regensystem Südamerikas lahmzulegen. Kolumbien bekommt die Rechnung präsentiert: 30 bis 50 Prozent weniger Niederschlag in der Karibik und den Anden, Thermometer plus vier Grad über dem Mittel. Die Wetterrekorde reichen 140 Jahre zurück – kein El Niño war jemals so früh und so intensiv vorhersagbar.
Die Stromversorgung ist das erste Dominostein. 70 Prozent der kolumbianischen Energie stammen aus Wasserkraft. Sinken die Pegel der großen Stauseen unter 30 Prozent, springen die teuren Diesel- und Gaskraftwerke an. Die Stromrechnung der Verbrauzer könnte innerhalb von Monaten um mehr als 40 Prozent steigen, rechnet die Regierungsbehörde UPME vor. Ein Albtraum für ein Land, das gerade erst die Inflation unter Kontrolle bekommen hat.

Die landwirtschaft wankt – kaffee, reis, mais in gefahr
Die Trockenheit trifft die Saaten in der Huila- und im Cauca-Tal genau in der Hauptanbauzeit. Das Agrarministerium erwartet Einbußen von bis zu 35 Prozent bei der Kaffeernte, 28 Prozent beim Reis. Die Preise für Grundnahrungsmittel haben bereits begonnen zu ziehen; die Inflationsrate für Lebensmitteln könnte 2027 die Zwei-Stunden-Marke knacken. Für viele Kleinfarmer bedeutet das: Ernte verkraften oder Felder verkaufen.
Parallel bereiten sich Umweltbehörden auf eine Horror-Saison für Feuerwehrleute vor. Die Paramos – die hochandinen Wasserspeicher – verwandeln sich bei Trockenheit und plus 35 °C in der Mittagshitze in Zunder. 2024 brannten 18 000 Hektar, 2026 könnten es laut Ideam-Chefin Ghisliane Echeverry mehr als 50 000 werden. „Wir sehen uns einem Dauerfeuer gegenüber, das sich von Santander bis Nariño zieht“, sagte sie vergangene Woche in Bogotá.

Kampf gegen die uhr startet jetzt
Statt aufzuwarten, bis die Reservoire leer sind, hat die Regierung ein Notpaket geschnürt: ab sofort muss jede Großstadt einen Wassersparplan vorlegen, Industriebetriebe bekommen Kontingente, und Haushalte, die 20 Prozent einsparen, erhalten Rabatte auf der Stromrechnung. Die Armee rüstet Hubschrauber mit Wasserbehältern aus, die in 24-Stunden-Bereitschaft gehalten werden. Und die Finanzministerin hat eine Katastrophenklima-Anleihe über 1,5 Milliarden Dollar platziert – bevor die Zinsen durch die Ratingagenturen explodieren.
Die Wissenschaftler bleiben trotzdem klar: Die Thermik des Ozeans hat Trägheit. Selbst wenn das Super-Niño Mitte 2027 seinen Höhepunkt überschreitet, wird die Hitze bis 2028 nachwirken. Das bedeutet: Kolumbien steht vor einer „Dauerhitze“ von mindestens 18 Monaten, einer Zeitspanne, in der sich Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft neu erfinden müssen. Die Uhr tickt, der Pazifik kocht – und das Land hat keine Wahl: Es muss sprinten, um nicht im eigenen Dreck zu versinken.
