Freiburg jagt genk: endlich viertelfinale oder wieder nur ein lehrgeld?

Erst Juve, dann West Ham – jetzt wartet Genk. Der SC Freiburg steht zum dritten Mal in fünf Jahren im Achtelfinale der Europa League, und diesmal soll das K.o.-Messer endlich nicht in der eigenen Brust stecken bleiben. Der Gegner ist kein Superstar-Klub, sondern derzeit Achter der belgischen Liga. Das klingt nach Pflichtsieg, doch Klemens Hartenbach warnt lautstark: „Genk ist die perfekte Falle.“

Die vergangenheit nagt noch mit

2023 verabschiedete sich Freiburg mit 0:3 gegen Juventus – nicht brutal, aber mit deutlichem Machtverlust. Ein Jahr später folgte das 0:5 in London, die höchste Europacup-Pleite der Vereinsgeschichte. Beide Male hielt man lange mit, beide Male brach die Nervosität in 15 Minuten ein. Die Erinnerung daran sitzt tief, sagt Philipp Treu: „Wir wissen, wie schnell ein gutes Hinspiel verpufft, wenn wir nicht 90 Minuten hellwach sind.“

Deshalb schickt Trainer Julian Schuster seine Mannschaft mit klarem Auftrag nach Belgien: nicht gewinnen, sondern dominieren. Das 3:3 gegen Leverkusen soll Programm sein, nicht die Ausnahme. Der Plan dahinter: schon im ersten Duell den belgischen Gästen das Selbstvertrauen klauen, bevor sie nach Baden reisen.

Eggestein fällt aus – manzambi darf glänzen

Eggestein fällt aus – manzambi darf glänzen

Die Personalie Maximilian Eggestein beschäftigt Freiburg mehr, als es die Rotsperre eigentlich rechtfertigt. 37 Pflichtspiele von 37 – seine Serie reißt, weil er in Leverkusen die Ampel sah. Für Johan Manzambi ist das ein Auftritt mit Promi-Charakter. Der 19-Jährige war gegen Bayer der beste Mann, jetzt soll er die Binde um die Sechser-Position schmeißen. Hartenbach: „Er hat nicht dreimal so viel laufen wollen, sondern einfach sein Spiel gemacht – das war reif.“

Die Alternative wäre Patrick Osterhage, der nach überstandener Verletzung endlich wieder 90 Minuten aushalten soll. Schuster will die Entscheidung kurzfristig treffen, das System bleibt unabhängig vom Namen gleich: enges Pressing, schneller Gegenstoß, keine Sekunde Zurücknahme.

1400 Fans, ein viertel der arena – und ein land, das fußball liebt

1400 Fans, ein viertel der arena – und ein land, das fußball liebt

In Genk reisen 1.400 Breisgauer an, was angesichts der 14.000-Kapazität des Luminus ArenA beinahe schon Heimspiel-Atmosphäre bedeutet. Die Fangemeinschaft „Bruddas“ hat 400 Plätze im Block D2 organisiert, komplett mit Trommeln und gelb-schwarzen Fahnen. Für sie ist das Viertelfinale längst mehr als ein Ziel – es ist die Rechtfertigung für jeden entbehrten Urlaubstag.

Doch die Rechnung wird nur aufgehen, wenn Freiburg die richtige Mischung aus Mut und Kalkül findet. Genk tritt ohne den Druck der Galaxien-Truppe Juve an, dafür mit dem Selbstverständnis eines Klubs, der in den letzten zehn Jahren dreimal die Meisterschaft holte und sich für Exportschlager wie De Bruyne oder David rühmt. „Klein, aber laut“ lautet das Credo der Belgier – und genau das macht sie gefährlich.

Der countdown läuft: jetzt oder nie

Der countdown läuft: jetzt oder nie

Die Statistik spricht für Freiburg: in dieser Saison erst zwei Niederlagen in 14 Europacup-Spielen, 25 Tore, erst zwölf Gegentore. Doch Statistik interessiert Christian Streich nicht, der die sportliche Leitung inzwischen an Schuster übergeben hat. Er sitzt trotzdem auf der Bank, weil seine Stimme in der Kabine noch immer lauter ist als jede Taktiktafel.

Die Marschroute ist klar: mindestens ein Tor mit nach Hause nehmen, kein Gegentor fangen, den Glauben schüren. Denn wenn Freiburg diesen Schritt nicht schafft, bleibt die Europa League für sie auf absehbare Zeit ein schönes, aber unerfülltes Versprechen. Die Zeit ist reif, das Budget stimmt, die Formkurve zeigt nach oben. Jetzt heißt es: Entweder Viertelfinale – oder wieder nur Lehrgeld.