Ulm gegen ludwigsburg: derbysieg als pflicht, um play-off-traum am leben zu halten

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Freitagabend, 20 Uhr, Ratiopharm-Arena. Ulm brennt. Nach 27 Spieltagen steht der Ex-Meister auf Platz 6 – für eine Franchise, die 2023 noch den Pokal in die Höhe riss und diesen Sommer zwei NBA-Erstrunden-Draftpicks verabschiedete, riecht das nach Unterzahl. Gegen die MHP Riesen Ludwigsburg muss deshalb unbedingt gewonnen werden, will man in den Play-offs nicht auf fremdem Parkett starten.

Das lazaret hat sich geleert – der kader ist komplett

Ty Harrelson kann erstmals seit Wochen wieder aus dem Vollen schöpfen. Noa Essengue und Ben Saraf sind fort, dafür kehren Joel Soriano, Nelson Weidemann und Chris Sengfelder gesund aus der Nationalmannschaft zurück – letzterer sogar ohne Gepäck, das die Fluggesellschaft in Managua versenkt hat. Kleiner Trost: Basketbälle hat die Arena genug. Die Verletztenliste ist abgearbeitet, der rotationstaugliche Kader komplett.

Die Zahlen sind gnadenlos. 15:12 Punkte stehen zu Buche, die Defensive kassiert 82,4 Punkte pro Spiel – nur sieben Teams sind verschwenderischer. Dazu das 69:74 im Hinspiel in der MHPArena, ein Debakel, das Harrelson „noch in den Knochen sitzt“. Revanche ist programmiert, sonst droht Platz 8 und ein Auswärtsticket gegen Berlin oder München.

Harrelson mit frischem vertrag, aber altem druck

Harrelson mit frischem vertrag, aber altem druck

Seit Montag ist der Coach langfristig gebunden – Verlängerung bis 2028. Klingt nach Vertrauen, ist aber auch ein Befreiungsschlag des Managements. „Ein, zwei Siege hängen wir hinten dran“, sagt Sport-Boss Thorsten Leibenath, der die Play-off-Teilnahme schon vor Weihnachten kommuniziert hatte. Jetzt muss liefern, wer lange bindet. Harrelson selbst redet lieber von Energie und Emotion, schließlich habe man vor der Länderspielpause gegen Oldenburg „den Schalter umgelegt“ – 96:68, starker Auftritt, aber eben auch schon wieder zwei Wochen her.

Die Riesen reisen mit breiter Brust an. Mit 17:10 Zähler führen sie die Gruppe Süd an, Drew Gordon und Jonathan Bähre lassen im Pick-and-Roll kein Blatt vor den Mund. Ulm kontert mit John Petty Jr. und seiner Dreierquote von 42 %, doch die individuelle Klasse nützt wenig, wenn die Transition nicht funktioniert. Ludwigsburg erlaubt den Gegnern nur 11 Fast-Break-Punkte pro Spiel – Schlusslichtliga.

Die arena wird kochen – die saison steht auf dem spiel

8.100 Fans werden erwartet, die Ratiopharm-Arena ist seit Tagen ausverkauft. Die Ultra-Blocks haben ein Tifo vorbereitet, das die NBA-Abgänge thematisiert – „Next Man Up“ steht da in riesigen Lettern. Die Botschaft ist klar: ohne Essengue und Saraf geht es trotzdem. Die Stimmung wird laut, die Anspannung spürbar. Denn verliert Ulm, rutscht man rechnerisch auf Platz 9 – und damit raus aus dem sicheren Heimrecht.

Für Leibenath ist das Spiel „ein Gradmesser für den Rest der Saison“. Für Harrelson der erste Test seiner frischen Unterschrift. Und für die Spieler? Die letzte Chance, vor den entscheidenden Wochen Selbstvertrauen zu tanken. „Wenn wir hier gewinnen, glauben wir wieder an alles“, sagt Kapitän Philipp Herkenhoff. „Wenn nicht, wird es eng.“

Puck-drop, Sprungball, Call it how you want – am Freitag zählt nur eins: Sieg. Alles andere wäre ein Schlag ins Kontor, der Ulms Play-off-Traum erst recht in die Ferne rücken lässt. Der Countdown läuft – 40 Minuten Basketball, die über Monate Zukunft entscheiden.