Ulbrichts bomben-form: drittes podest in serie – und jetzt jagt er den gesamtweltcup

Leon Ulbricht fährt mit Vollgas in die Königsklasse. Nach Olympia-Drama und Team-Karambolage mit Martin Nörl stürmt der 21-jährige Lörracher im Snowboardcross von Montafon auf Platz zwei – und attackiert vor dem Finale den Gesamtweltcup. Drei Rennen, drei Podeste. Und das, obwohl er im Zielhang noch Chollet und Surget überholen musste.

Der achtelfinal-krimi: ulbricht vs. nörl – diesmal ohne crash

Die Kameras zoomten sofort auf das Startfach. Ulbricht rechts, Nörl links. Olympia-Blitz und Beben von Mailand schienen für Sekunden mitzuzittern. Doch diesmal riss keiner den anderen mit: Ulbricht donnerte früh an die Spitze, Nörl strauchelte touchiert und schied ab. Kein Aufprall, kein Vorwurf – nur ein Nicken des Routiniers, als hätte er gesagt: „Fahr ihn ab, Junior.“

Im Viertelfinale warf Ulbricht sogar Doppel-Olympiasieger Alessandro Hämmerle mit einem Handgelenksschlenker aus dem Kurs. Das Halbfinal lieferte die nächste Filmszene: hinterher, spurtlos, dann Seitenwind-Angriff auf der Wellenkante – vorbei. „Ich spüre einfach, dass sich die Linien öffnen“, sagte er nach dem Rennen. Kein Pathos, nur Ingenieurssprache eines Fahrers, der die Physik der Buckel neu kodiert hat.

Frauen-finale: siegenthalers slalomstich zur goldrutsche

Frauen-finale: siegenthalers slalomstich zur goldrutsche

Während die Konkurrentinnen an den letzten Wellen noch zählen, wie viele Pumpstöße nötig sind, jagt Sina Siegenthaler die Mitte. Die 25-jährige Schweizerin schert zwischen Josie Baff und Charlotte Bankes durch, spart etwa neun Zehntel und feiert ihren ersten Weltcup-Sieg. „Endlich habe ich meine Quali-Speed übers Ziel gebracht“, lachte sie, als hätte sie einen langen Arbeitstag mit einer Bonuszahlung versüßt.

Jana Fischer dagegen bleibt hängen. Viertelfinale, Startloch gut, doch die französische Dreier-Allianz aus Casta, Petit Lenoir und Nirani-Pereira ummantelt sie wie ein TÜV-Prüfer und drückt sie auf Rang vier. 52 Weltcupstarts, noch kein Podest. „Ich weiß, dass ich schnell genug bin, aber schnell reicht eben nicht“, sagte sie mit einem Lächeln, das mehr Frust als Glück verrät.

Die gesamtwertung: 34 punkte rückstand – ein finale, ein titel

Die gesamtwertung: 34 punkte rückstand – ein finale, ein titel

Vor dem letzten Saisonwochenende trennt Leon Ulbricht nur noch 34 Punkte von Spitzenreiter Aidan Chollet. Wer in Montafon noch gedacht hatte, der Franzose würte sich den Pokal schon einpacken, muss neu rechnen. Ulbrichts Entwicklung: 16. Platz im vergangenen Winter, zwei Saisonsiege, jetzt die Chance auf die Kristallkugel. Ein deutscher Snowboardcross-Weltcup-Gesamtsieg wäre historisch – das letzte Mal gelang es Patrick Bussler 2010.

Die Daten sprechen klar: Ulbricht holte in den letzten drei Rennen 280 Punkte, Chollet nur 188. Die Formkurze steigt steiler als die Pisten in Montafon. Und das, obwohl der DSV vor zwei Monaten noch intern über Disziplin nach dem Olympia-Crash diskutierte. Nun droht der große Coup. Wer am Finale in Veysonnaz zwei Ränge besser als Chollet wird, kann Kronprinz zum König krönen. Keine Theorie mehr, nur noch simple Mathematik.

Die Saison, die nach Mailand wie ein Trauerspiel begann, endet vielleicht als deutsches Märchen. Ulbricht will sich nicht feiern lassen, bevor die Latte durch ist. Aber im Zielraum von Montafon war schon zu sehen, wie er den Blick auf die Rangliste schweifen ließ – kurz, fast heimlich. Der nächste Blick geht nach Veysonnaz. Dort fallen die Kronleuchter, und Ulbricht hat den Schlüssel zur Kristallkugel in der Tasche.