Ubaldo pantani: der mann, der buffon imitiert und mit dem fahrrad zum spiel radelt
Er kann Allegri nachaffen, Buffon verbeugen und Ancelotti flüstern – aber Ubaldo Pantani ist kein Fußballer, sondern ein Comedian, der den Ball mehr liebt als jede Pointe. Seine Stimme ist sein Kapital, seine Leidenschaft aber ist ein rauer Rasen, ein klappriges Subbuteo und eine verschwundene Serie-B-Mannschaft namens SPAL.
Der körper kommt vor der stimme
„Bevor ich die Stimme einsetze, studiere ich die Haltung“, sagt der 54-jährige Toskaner, der in einem Dorf nahe Volterra aufwuchs. „Buffon steht wie ein Torhüter, sogar wenn er Kaffee kocht.“ Pantani hat die Geste des Grätschens trainiert, bis seine Gelenke knackten. Erst dann durfte der Ton fallen. So entstanden Imitationen, die Conte, Gattuso und Pirlo vor Begeisterung lachen ließen – obwohl sie selten lachen.
Doch hinter dem Spaß steckt ein Archivar. In einer Schublade lagert der Zeitungsausschnitt seines Debüts als Fußballer 1989 in Piombino – 500 Zuschauer, Kreisliga, Herzklopfen. „Ich wollte Profi werden“, sagt er. „Dann brach mir die Tibia zweimal innerhalb von 18 Monaten.“ Statt ins Stadion kam er ins Theater. Die Krücke wurde Mikrofon.

Der tag, an dem er sich die schals band
Kein normaler Fan: Pantani ist Trikarier. SPAL, Pisa, Campobasso – er liebt alle drei, hasst aber Spiele wie Pisa gegen SPAL. „Dann bleibe ich zu Hause, sonst explodiert mein Herz.“ 2017 stieg SPAL nach 49 Jahren wieder in die Serie A auf. Pantani radelte 250 Kilometer von Pisa nach Ferrara, mit der SPAL-Schalma um den Hals und der Pisa-Fahne im Gepäck. Oben auf dem Monte Serra band er beide Schals zusammen. „Ein Friedensabkommen mit mir selbst.“
Sein Fußball ist retro. Er spielte Subbuteo, bis die Spielerbeine glühten, sammelt Trikots wie andere Briefmarken und hasst die Kommerzialisierung. „Modern Football ist laut, glatt und ohne Seele“, sagt er. „Ich bin für Rückpass in die 80er.“ Deshalb coachte er die Nazionale Cantanti – Promi-Kick mit Totti und Batistuta. „Dida stand im Tor, Cattelan auf der Bank – das war meine persönliche WM.“

Die pantani-reform: serie c neu gemischt
Abends, nach der Vorstellung, skizziert er auf Papierservietten seine Lieblingsutopie: eine Pyramide mit klarer Trennung. National = Profis, Interregional = Halbprofis, Regional = Amateure. „Kein Gewäsch mehr über Aufstiegsträume, wenn der Kader aus Studenten und Friseuren besteht“, sagt er. „Fußball verdient Ehrlichkeit.“ Er spricht mit Präsidenten der Serie C, liest Statuten wie Krimis. Bald will er das UEFA-Trainerpatent in der Tasche haben. „Dann darf ich auch in der Kabine schreien wie Allegri.“
Die Stimme wird rauer, wenn er von Architektur erzählt. An jedem Reiseziel steuert er zuerst das Stadion an. Craven Cottage in London ließ ihn 1995 allein zurück, weil seine Freunde shoppen wollten. „Die Stahlträger der Flutlichter sind wie Orgelpfeifen“, schwärmt er. „Man hört die Nationalhymne, wenn man sie ansieht.“ Seine Freunde tranken in Soho Tequila, er trank Bier aus Pappbechern und glaubte, in einem lebenden Subbuteo-Tisch zu sitzen.

Warum buffon nie pizza bestellt
2006, Präsentation des Videospiels PES, traf er Buffon. „Er spielt alles: Tischtennis, PlayStation, Billard. Und er gewinnt. Jeden verdammt Ball.“ Pantani schluckte, dann fragte er, warum Gigi nie Pizza bestelle. „Weil ich keine schlechten Stückchen will“, antwortete Buffon. Seit diesem Tag steckt Pantani diese Antwort in jede Show. „Charisma ist, wenn du nicht bestellst und trotzdem alle zahlen.“
Heute steht er in „Inimitabile“ auf der Bühne, trägt das Trikot mit der Sechs von Scirea – versehentlich bestellt von seiner Mutter statt der Neun. „Das war kein Fehler, das war Schicksal“, sagt er. „Ich beende, wo ich begann – als Sechser.“ Nach der Vorstellung fährt er nach Hause, schaltet die Highlights ein und stellt sich vor, wie er im Wembley-Tunnel steht. Dann schließt er die Augen und bewegt den Körper. Die Stimme kann warten. Der Fußball nicht.
