Tyson vs. holyfield: der ohrbiss, der eine karriere beendete
Vor 29 Jahren schockierte der Welt der Boxsport: Mike Tyson biss Evander Holyfield im WM-Kampf ein Ohr ab. Ein Moment der Raserei, der bis heute für Diskussionen sorgt und die Karriere des „Iron Mike“ nachhaltig beschädigte.
Ein kampf voller spannung – und dann der ausraster
Es war der 28. Juni 1997 im MGM Grand Hotel in Las Vegas. Der Rückkampf zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield, der bereits im November 1996 mit einem technischen K.o. zugunsten Holyfields endete, versprach ein weiteres Spektakel. Tyson, der ehemalige unangefochtene König der Schwergewichte, suchte nach der Revanche. Doch von Beginn an hatte er Schwierigkeiten, den agilen und schnelleren Holyfield zu kontrollieren. Der 34-jährige Holyfield, vier Jahre älter als Tyson, bewegte sich flüssiger, setzte den Ex-Weltmeister immer wieder unter Druck. Tyson schwitzte, blutete, wirkte frustriert.
Dann, in der dritten Runde, eskalierte die Situation auf schreckliche Weise. Im Clinch verlor Tyson die Kontrolle, biss Holyfield ein 1,5 Zentimeter großes Stück aus dem Ohr. Der Schock im Ring war greifbar. Holyfield schrie vor Schmerz, zeigte ungläubig auf seine blutende Wunde. Die 16.331 Zuschauer waren entsetzt, es kam zu vereinzelten Ausschreitungen. Ringrichter Mills Lane disqualifizierte Tyson umgehend – eine Entscheidung, die bis heute kontrovers diskutiert wird.

Von der weltspitze in den abgrund
Tyson, einst gefürchtet als brutaler K.o.-Spezialist, hatte bereits eine turbulente Karriere hinter sich. 1986, mit nur 20 Jahren, wurde er jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten – ein Wunderkind unter der Ägide des umstrittenen Promoters Don King. Ein Sensationssieg gegen James „Buster“ Douglas in Tokio 1990 ließ jedoch erste Risse in seinem Image entstehen. Und dann folgte 1992 der tiefe Fall: Tyson wurde wegen Vergewaltigung verurteilt und musste eine Haftstrafe verbüßen.
Sein Comeback 1995, begleitet von enormem Hype, schien zunächst eine Renaissance zu markieren. Der erneute Titelgewinn gegen Frank Bruno 1996 ließ Hoffnungen aufkeimen. Doch Holyfield entlarvte Tysons veraltete Schlagkraft im ersten Kampf. Der Ohrbiss im Rückkampf war dann der endgültige Sargnagel für seine Karriere als Top-Athlet.
Die Strafe von drei Millionen Dollar und eine einjährige Sperre wirkten vergleichsweise mild, angesichts der Schwere des Vergehens. Tyson nutzte die Zeit für Auftritte in der Wrestling-Liga WWE, doch der sportliche Glanz von einst war unwiederbringlich verloren. Seine letzte Chance auf den WM-Titel verpuffte 2002 gegen Lennox Lewis, und 2005 beendete eine Reihe von Niederlagen seine Karriere endgültig.

Versöhnung und ein gemeinsames lächeln
Obwohl die Ereignisse von 1997 tiefen Wasser hinterließen, sind Tyson und Holyfield heute versöhnt und sogar befreundet. Ein gemeinsamer Auftritt in der „Oprah Winfrey Show“ zeigte, dass die Vergangenheit verheilt ist. Tyson selbst sagte: „Ich will der Welt sagen, dass er ein wundervoller Junge ist. Es ist eine Freude, ihn zu kennen.“ Die Geschichte von Tyson und Holyfield ist ein Mahnmal für die Zerbrechlichkeit des Ruhms und die zerstörerische Kraft der Wut – ein Skandal, der den Boxsport für immer prägen wird.
