Tugbenyo trifft pfosten, schlägt tor – und fällt aus: msv duisburg verliert joker gegen 1860

Jesse Tugbenyo lief nur acht Minuten, rettete den MSV Duisburg mit seinem Pfostenschuss in der Nachspielzeit gegen 1860 München und ahnte nicht, dass er sich dabei selbst demontierte. Der 24-Jährige zog sich bei der Vorlage zum 2:1 eine Knieverletzung zu, wie der Klub am Mittwoch bestätigte – mindestens drei Spiele fällt er aus, vielleicht mehr.

Die Szene im Video wirkt wie ein Thriller: Eckball von links, Unruhe im Münchner Strafraum, Tugbenyo stürzt sich in den Ball, trifft die Unterkante der Latte, Thilo Töpken schiebt ein, das Stadion explodiert. Doch im Hintergrund bleibt Tugbenyo liegen. Kein Jubel, nur ein kurzer Blick zum eigenen Knie, dann die Erkenntnis: Es ist vorbei.

Der preis des sieges

Trainer Dieter Hecking hatte den Mittelfeldspieler erst in der 82. Minute eingewechselt – ein klassischer Hecking-Move, um mit frischen Beinen die Katastrophe zu verhindern. Tugbenyo lieferte, aber er zahlte einen Preis, den Duisburg in den nächsten Wochen teuer zu stehen kommt. Gegenspieler David Philipp rutschte unglücklich in sein Standbein, die Diagnose: Bandschaden im Innenband. Die Länderspielpause nützt ihm kaum, denn selbst danach fehlt er im Landespokal bei Bocholt, im Derby bei Rot-Weiss Essen und gegen Tabellenführer Osnabrück.

Die Zahlen zeigen, wie wichtig der Mann aus Paderborn für den MSV ist: 22 Pflichtspiele in dieser Saison, 15 Mal kam er von der Bank, dreimal entschied er mit Vorlagen oder Ballgewinnen direkte Punkte. Sein einziges Tor schoss er übrigens in seinem einzigen Spiel über 90 Minuten – ein ironischer Fußnoten-Treffer, der nun fast schon wehtut.

Bank-joker mit ausstrahlung

Bank-joker mit ausstrahlung

In der Kabine nennen sie ihn „Turbo-Tugi“. Nicht wegen seiner Geschwindigkeit, sondern weil er in kurzen Sequenzen alles reinwirft: Ballsicherheit, Zug zum Tor, eine Stimme, die auch mal schreit, wenn die Defensive schläft. Genau diese Impulse fehlen jetzt. Die Alternativen sind dünn: Aziz Fouchal ist erst 19, Moritz Stoppelkamp spielt rechts, nicht in der Mitte. Hecking wird sein System verbiegen müssen, um die Lücke zu stopfen.

Und während die Zebras nach dem Sieg gegen 1860 auf Platz drei klettern, schwingt bei jedem Punktgewinn fortan die Frage mit: Wie viel wäre mit Tugbenyo drin gewesen? Der MSV hat den Aufstieg im Sinn, aber er verliert gerade den Spieler, der die Saison am meisten gelebt hat – acht Minuten Glück, drei Wochen Pause, ein ganzes Jahr Ziel.