Tsg-hoffenheim wählt neuen machtzentrum: drei kandidaten, null sap-nähe

Die TSG Hoffenheim feiert auf dem Platz, zittert im Verein. Nach dem 3:0 in Heidenheim steht am Montagabend in der PreZero-Arena die Schicksalswahl an: Wer wird neuer 1. Vorsitzender des eingetragenen Vereins – und damit mächtigster Hopp-Aktionär?

Uwe Heiss, Florian Beil und André Kreuzwieser ringen um das Amt, das in den vergangenen Jahren für Tumulte sorgte. Sieben weitere Bewerber buhlen um die beiden Stellvertreterposten. Doch bereits im Vorfeld zeichnet sich ab: Der Ehrenrat hat rigide ausgesiebt. Kein SAP-Manager, kein Hopp-Vertrauter, kein Fan-Querdenker durfte antreten. Die Kurzform: Wer zu nah an Geld oder Protest stand, flog raus.

Der filter des ehrenrats: keine sap-führungskräfte, keine feuerwerker

Mehrere Interessenten hatten sich gemeldet, das bestätigt auch der Verein. Doch ein Kriterienkatalog des Ehrenrats – Zeitaufwand, Integrität, Unabhängigkeit – dünnte das Feld aus. Kosmetisch klingt das Wort, ist aber Programm. SAP ist Hauptsponsor, doch Führungskräfte aus dem Walldorfer Konzern oder dessen Umfeld wurden abgelehnt. Gleiches galt für Figuren, die sich in den vergangenen Jahren als schillernde Fan-Sprecher profiliert hatten. Das Ziel: ein Vorsitzender, der weder als Hofnarr des Milliardärs noch als Sprachrohr der Kurve gilt.

Die verbliebenen Drei kommen ohne politische Fraktion daher. Keiner trägt das SAP-Logo auf dem Anzugrevers, keiner hetzte gegen Hopp. Sie sind, mit Verlaub, bürgerlich gewaschen.

Heiss will frauenfußball und führungserfahrung vereinen

Heiss will frauenfußball und führungserfahrung vereinen

Uwe Heiss, 66, Ingenieur aus Reichartshausen, trägt noch selbst Stutzen. Seit zwölf Jahren trainiert er das dritte Frauenteam der TSG in der Verbandsliga. „Strategisches Denken, verlässliche Entscheidungsstrukturen, wertschätzender Umgang“, sagt er und klingt dabei wie die PowerPoint seines Arbeitgebers, eines Kunststoff-Zulieferers. Doch auf dem Rasen verzichtet er auf Folien: Seine Spielerinnen nennen ihn „Chef, aber mit Weitwinkel“. Heiss verspricht, den Verein „auf Augenhöhe mit der Profilizenz“ zu führen – ein Seitenhieb auf die vergangenen Jahre, in denen der e. V. oft nur unterschreiben durfte.

Beil bringt knie-beutel und karriere aus zweiter reihe

Beil bringt knie-beutel und karriere aus zweiter reihe

Florian Beil, 37, war einst Hoffenheimer Jugendtalent, spielte für Hannover 96 und den 1. FC Magdeburg, kehrte zurück, studierte Sportmanagement und verwaltet nun in der Akademie 250 Nachwuchskicker von der U14 bis zur U19. Er kennt die Eltern, die Spielerberater, den Caterer – und die kurzen Wege zur GmbH. „Ich bin das Bindeglied zwischen Tradition und Moderne“, sagt er. Das klingt nach Karriereplan, ist aber auch eine Kampfansage an die alte Garde, die ihm vorwirft, zu sehr „Mainstream-TSG“ zu sein. Beil lächelt dann nur: „Ich war nie bei SAP, aber bei 96 Spielen in der 2. Liga. Das zählt.“

Kreuzwieser will dorfklub-romantik zurück

Kreuzwieser will dorfklub-romantik zurück

André Kreuzwieser, 45, wohnt noch immer in Hoffenheim, Dauerkarte seit 2008, Software-Unternehmer. Er spricht vom „Dorfklub, der eine einzigartige Geschichte geschrieben hat“ und klingt dabei wie ein Heimatdichter. Doch dahinter steckt ein Analyst: Er hat die Mitgliederzahlen studiert, kennt die Einnahmen aus der Biergarkasse, weiß, dass die Lizenzspieler GmbH 2023 nur deshalb schwarze Zahlen schrieb, weil ein CL-Startgeld hereinglitt. „Stabilität, Kontinuität, Geschlossenheit“ – seine drei Lieblingswörter. Kritiker sagen: Das sei nichts als Verwaltungskitsch. Doch Kreuzwieser hat schon erste interne Verbündete: die Altherren-Mannschaft, die ihm zutraut, dass er „nicht gleich den nächsten Galáctico verpflichten“ will.

Mehrheiten sind offen – und die fans warten auf ein signal

Die Stimmung im Kraichgau ist verhalten. Die Ultras haben ihre Banner eingezogen, die Business-Clubs schickten vorab Fragebögen an die Kandidaten. Keiner der drei konnte bisher eine klare Mehrheit verbuchen. Die Entscheidung fällt per Stimmenmehrheit, bei Stichwahl droht bis in die Nacht hinein zu dauern. Für die TSG ist das mehr als eine Personalie. Der neue Vorsitzende muss die GmbH-Anteile treuhänderisch verwalten, die Satzung schützt Hopp vor Zugriffen. Doch er muss auch die Kurve beruhigen, die nach wie vor „Hopp raus“ skandiert, wenn die Stimmung kippt.

Um 19 Uhr beginnt die Versammlung, um 22 Uhr könnte klar sein, wer künftig im Aufsichtsrat der Profi-Tochter sitzt. Die Erfolgsserie auf dem Platz? Die ist kein Thema an diesem Abend. Es geht ums Machtzentrum jenseits des Rasens. Und um die Frage, ob die TSG nach Jahren der Scherben endlich einen Vorsitzenden bekommt, der weder Geld noch Protest vertritt, sondern einfach nur den Verein.