Tommaso rinaldi packt aus: doppeltes gehalt, playoff-jagd und der anruf von de giorgi

Er wollte nicht nach Japan. Keine Mangas, keine Animes, keine Sehnsucht nach Fernost. Heute verdient Tommaso Rinaldi beim Sakai Blazers mehr als doppelt so viel wie in Modena, spielt jedes Wochenende zweimal durch und wartet auf die Whatsapp-Nachricht von Nationalcoach Ferdinando De Giorgi.

Warum sakai ihn trotzdem kriegte

„Sie kamen mit Matt Anderson“, sagt der 23-jährige Diagonalangreifer. „Und mit einem Projekt, das sich über Jahre streckt.“ Erst lehnte er ab. Dann lag er mit Schulterproblemen auf der Tribüne von Modena, wo ein Fehler sofort die Bank bedeutet. Sakai bot ein Zweijahreskontrakt, Startgarantie, Top-Mediziner – und einen Scheck, der seine italienische Bezahlung in den Schatten stellt. Die Zahl? „Mehr als das Doppelte“, sagt er nur, mit einem Grinsen, das man durchs Telefon hören kann.

Die SV League ist kein Wellnessurlaub. Zweimal pro Wochenende Vollgas, Samstag und Sonntag hintereinander. „Wir haben keinen erweiterten Kader, ich bin noch nie runtergenommen worden“, erzählt Rinaldi. „Dafür sind die Trainingseinheiten kürzer, intensiver. Zwei Jahre hier zählen wie vier oder fünf in Italien.“

Playoff-traum trotz kultur-crash

Playoff-traum trotz kultur-crash

Sakai war jahrelang Tabellenletzter, nun träumen sie der Playoffs. Ohne Andersons Wadenverletzung wäre der Fünfte Platz greifbar. „Wir sind draußen, aber wir jagen“, sagt Rinaldi. Die japanische Niederlage akzeptieren seine Mitspieler mit einem „morgen gewinnen wir“. Er flippte aus, sie lächelten. „Kein Druck, aber auch kein Feuer. Ich musste lernen, dass hier der Feind nicht der Gegner, sondern die Routine ist.“

Die Sicherheit hingegen überrascht ihn jeden Tag. „Ich lasse die Wohnungstür offen, meine Freundin läuft nachts allein durch Osaka – nie ein Problem.“ Stattdessen gibt es Schematik: „Es gibt genau einen Weg, eine Tür zu öffnen, eine Begrüßung zu formulieren. Fragen ist nicht erlaubt.“

Italia-ruf und kalte rechnung

Italia-ruf und kalte rechnung

De Giorgi meldete sich noch nicht. „Aber ich bin top-ten in Punkten und Assen, die Schulter hält“, sagt Rinaldi. Nächste Saison dürfen drei Ausländer gleichzeitig auf dem Feld stehen, statt zwei. Die Klubs müssen die gleiche Kasse aufteilen. „Die Stars kassieren noch mehr, der Rest bekommt weniger. Wer jetzt denkt, Japan sei das neue Goldland, sollte seinen Agenten fragen, ob der Vertrag wirklich so dick wird wie meiner“, warnt er.

Abends kocht er sich in seiner italienischen Mini-Markt-Ecke Carbonara, schreibt mit Watanabe undMizuno Mischsprache-Memes in die Gruppe. „Ich bin kein Pionier, aber ich bin der Erste, der offen spricht. Wenn meine Zahlen stimmen, folgen andere – kalkuliert, nicht romantisch.“

Die Playoffs rücken näher, die Schulter hält, die Bankkonten füllen sich. Und irgendwann blinkt das Handy. Dann weiß Rinaldi: Das Doppelte lässt sich auch in Blau tragen.