Tommasi entlarvt serie-a-pfiffe: var verschlief frattesi-foul, wesley-rot stimmt

Dino Tommasi zieht im DAZN-Format „Open VAR“ den Taktstock durch die jüngsten Schiedsrichter-Eskapaden der Serie A – und liefert dem Zuschauer jene Momente, in denen Pfeifenlärm zu Jubel wird oder umgekehrt. Der Sprecher der Unparteiischen-Kommission spricht sich klar gegen eine Strafe im Topspiel Inter – Milan aus, fordert aber nachträglich Elfmeter für Frattesi und erklärt die Wesley-Abstellung in Como für korrekt.

Hand drauf, nicht dran: san-siro-szene bleit unbestraft

Die 78. Minute von Inter – Milan: Sulemana und Dumfries rutschen an der Außenlinie, die Hand des Niederländers landet auf der Hüfte des Gegners. Tommasi sieht keinen Kontakt mit Nachdruck, keine Bewegung nach vorn, keine Veränderung des Laufverhaltens. „Kein Push, keine Spannung, die Hand liegt nur auf“, lautet sein Urteil. VAR Marani blieb passiv – und bekam von Tommasi die Note „sehr gut“.

Anders die Lage in Bergamo, wo Frattesi gegen Scalvini zuerst am Ball ist und dann am Schienbein erwischt wird. Manganiello steht mit dem Rücken zur Aktion, sein Assistent hat Sicht durch eine Wand von Körpern. „VAR hätte auf den Monitor bitten müssen – und Elfmeter geben“, fordert Tommasi. Sein Rechenbeispiel: Ballkontrolle plus Kick gegen das Standbein ergibt klares Foulspiel. Die fehlende Intervention nennt er „nicht nachvollziehbar“.

Wesley-rot: knie gegen wade, keine verwechslung

Wesley-rot: knie gegen wade, keine verwechslung

Die 87. Minute in Como. Wesley grätscht mit gestrecktem Bein, trifft Diao am Unterschenkel und sieht Gelb. Sekunden später folgt die Ampelkarte – weil der erste Kontakt nach VAR-Sicht ein SPA-Foul war, eine vielversprechende Attacke gestoppt. Massa und Video-Team prüften „mistaken identity“ und stellten fest: Richtiger Täter, richtige Farbe. „Keine Fehlentscheidung, nur konsequente Anwendung der Doppelgelb-Logik“, sagt Tommasi.

Juve-tor weg: koopmeiners blockiert szczesny

Juve-tor weg: koopmeiners blockiert szczesny

Der dritte VAR-Eingriff des Spieltags betrifft Juve – Genoa. Conceição trifft, doch Koopmeiners steht in Schusshöhe, zwei Meter vor dem Torhüter und senkt das Bein. Spalletti haderte: „Er beeinflusst die Aktion nicht.“ Tommasi kontert mit der Leine der Drei-Kriterien-Regel: Distanz, Sichtlinie, Bewegung. „Der Angreifer bewegt sich aktiv Richtung Ball, nimmt dem Torwart die Reaktionsoption“, so das Kommissions-Urteil. Tor annulliert – korrekt.

Die Bilanz des Rundgangs: Ein klarer VAR-Fehlgriff (Bergamo), zwei korrekte Eingriffe (Como, Turin) und eine Szene, die so knapp ist, dass sie die Tribünen spaltet. Serie A ebnet mit jedem Spieltag neue Diskussionsrunden – und liefert gleichzeitig das Lehrmaterial für die nächste Schiedsrichter-Tagung. Wer nächstes Mal pfeift, weiß: Die Kameras gucken mit, aber nicht immer in die richtige Richtung.