Niederlechner weg vom fenster: 1860-star sitzt plötzlich nur noch auf der tribüne

Einmal Hoffnungsträger, jetzt Tribünengast – Florian Niederlechner erlebt beim TSV 1860 München den nächsten Tiefschlag. Beim 0:0 gegen Wehen Wiesbaden sah der 35-Jährige 90 Minuten lang aus der Ferne zu, wie seine Kollegen Punkte liegen ließen. Der Grund: Trainer Markus Kauczinski braucht ihn derzeit einfach nicht.

Der kurze sommertraum ist längst geplatzt

Nach zwei Treffern zum Auftakt gegen Essen und Osnabrück schien der Heimkehrer als Missing Piece für den Aufstieg gefunden. Doch seit dem Trainerwechsel von Patrick Glöckner zu Kauczinski schrumpfte Niederlechners Einfluss – auf dem Platz und in der Kabine. Das Wintertrainingslager verpasste er wegen muskulärer Probleme, danach war er plötzlich zu langsam für das neue System. Zwölf Minuten in sechs Spielen – das ist die ernüchternde Bilanz des Jahres 2026.

Stattdessen liefert Sigurd Haugen ein Tor nach dem anderen. Elf Tore, zwei Vorlagen – die schwarze Maske nach seinem Kieferbruch wurde zum Markenzeichen einer Torjäger-Serie, die selbst Manager Manfred Paula aufhorchen lässt: „Wenn ein Spieler so performt, ist es klar, dass er Begehrlichkeiten weckt.“

Kauczinski reduziert das sturm-roulette auf eine karte

Kauczinski reduziert das sturm-roulette auf eine karte

Die Umstellung auf eine einzige Spitze macht Niederlechner zur Leihgabe in eigener Sache. Justin Steinkötter sicherte sich die Reservistenrolle, weshalb Kauczinski offen sagt: „Dann muss ich nicht einen dritten und vierten zentralen Stürmer haben.“ Kalt, aber logisch – in der 3. Liga zählen Punkte, nicht Sentiments.

Thore Jacobsen hält trotzdem die Treue. „Er hat das Herz am richtigen Fleck, er lebt und liebt den Verein“, schwärmt der Kapitän und prophezeit: „Auch er wird wieder wichtig werden.“ Ob als Joker, Mental-Coach oder doch noch als Retter im Nachschuss – der Vertrag läuft bis 2027.

1860 steht vier Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz. Wenn die Saisson die nächste Schippe Druck auflädt, könnte genau dieser Druck Niederlechner zurück auf den Rasen katapultieren. Denn er kennt den Weg nach oben: 2016 schoss er den SC Freiburg in die Bundesliga. Die Münchner Meister stehen vor neun Endspielen – und manchmal entscheidet sich eine Karriere in 90 Minuten.