Tomas palacios: 26 minuten für inter, jetzt nationalspieler – die rückkehr des vergessenen 11-millionen-manns

26 Minuten. Genau so lange stand Tomas Palacios im Dress von Inter Mailand auf dem Rasen. Dafür investierten die Nerazzurri bis zu 11 Millionen Euro. Jetzt, ein halbes Jahr später, trägt der Verteidiger das Trikot von Estudiantes – und das von Argentinien.

Der transfer, der nicht einmal online richtig ankam

Im Sommer 2024 galt Palacios als Rohdiamant. 2003 geboren, 1,87 m groß, linksfüßig, mit Sprintwerten wie ein Flügelstürmer. Inter sicherte sich seine Dienste für 6,5 Millionen plus 4,5 Millionen Bonus – ein Betrag, der in der Bilanz der Klubbosse als „zukunftsweisend“ verbucht wurde. Doch statt in der Champions League zu reifen, rutschte der Argentinier durch die Ritzen des Systems.

Er kam, sah – und verschwand. Erst neun Minuten gegen Empoli, dann sieben gegen Parma, zuletzt 16 gegen Udinese im Coppa Italia-Achtelfinale. Danach: Stille. Kein Instagram-Post, keine Pressekonferenz, kein einziges Foul, das die Kurve hätte jubeln lassen. Die Analysten hatten ihn bereits abgeschrieben.

Monza war kein befreiungsschlag, die heimkehr schon

Monza war kein befreiungsschlag, die heimkehr schon

Im Winter wurde er für sechs Monate nach Monza ausgeliehen – ein Klassiker: Spielpraxis, Seria A, neue Impulse. Doch selbst dort blieb er nur Kuriosum: einmal 90 Minuten, zweimal Bank. Als Inter im Januar die Rückruf-Option zog, war klar: Palacios muss weg, sonst verrostet er komplett.

Die Wahl fiel auf Estudiantes de La Plata, seinen Stammklub, nur drei Autostunden von seiner Heimat La Pampa entfernt. Kein Zweitligist, kein Abstiegskandidat – sondern Tabellenzweiter hinter Velez. Und Palacios? Wieder angekommen. Acht Spiele, achtmal in der Startelf, fünfmal blieb sein Team ohne Gegentor. Die Statistikportale färben sich grün, die Scouts wieder gelb.

Nationaltrainer spagnolo ruft – und plötzlich ist alles anders

Nationaltrainer spagnolo ruft – und plötzlich ist alles anders

Am Dienstag flatterte die Einladung ins AFA-Telegramm. Kein U23-Kader, keine Testspiel-Liste – die große Albiceleste. Trainer Gregorio Spagnolo sucht einen linken Verteidiger, der auch in der Mitte aushelfen kann. Palacios’ Name stand sofort oben. Innerhalb von vier Wochen verwandelte sich der „Inter-Flop“ in einen „Nationalhelden“ – zumindest auf Twitter in Mar del Plata.

Inter hat ihn bis Januar 2027 ausgeliehen, Kaufoption für Estudiantes inklusive. Keine Rückkaufklausel. Das heißt: Sollte Palacios in Katar 2025 debütieren und sich für 25 Millionen verkaufen, kassiert Inter nur Anerkennung, keine Euro. Ein klassischer Verlustgeschäft, wenn man so will. Oder ein Lehrstück darüber, wie schnell Leistungsträger zu Leihgut werden können.

Die Moral von der Geschichte? Manchmal braucht ein Spieler keine neue Taktik – nur die alte Heimat. Und 90 Minuten, die endlich wieder 90 Minuten sind.