Tischtennis-stars unter beschuss: kaufmann und duda reagieren auf hass

London – Die Schattenseiten des Sports zeigen sich in drastischer Form: Annett Kaufmann und Benedikt Duda, deutsche Hoffnungsträger bei der bevorstehenden Tischtennis-Weltmeisterschaft in London, haben Abwehrmaßnahmen ergriffen, um sich vor einer Flut von Hassnachrichten zu schützen. Nach Monaten zunehmender Anfeindungen, die in Kaufmanns Fall sogar Morddrohungen umfassten, ist der Schutz der Athleten zu einer dringenden Notwendigkeit geworden.

Die spirale der hetze: wenn der siegbitterkeit folgt

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Die Belastung für die beiden Spieler ist immens. Kaufmann, gerade erst 19 Jahre alt, schilderte im Gespräch mit dem SID: „Sexistische Kommentare und allgemeine Hasskommentare sind mittlerweile Alltag.“ Duda (32), der bereits im Vorjahr von den emotionalen Auswirkungen berichtete, ergänzt: „Wenn man verliert und dann noch solche Nachrichten bekommt, ist das frustrierend. Von Leuten, die das im realen Leben nicht trauen würden.“ Der EM-Zweite hat in der Vergangenheit sogar Angriffe gegen seine gesamte Familie zu erdulden gehabt – eine Eskalation, die Alarmglocken läuten lässt.

Kaufmann deutet deutliche Maßnahmen an: „Wenn es wirklich schlimm wird, werde ich auch Sperranträge und Strafanzeigen stellen.“ Duda geht einen anderen Weg: Er hat eine Social-Media-Managerin engagiert, die seine Konten überwacht und potenziell schädliche Nachrichten filtert. „Ich lasse mich nicht mehr direkt mit dem Schlimmsten konfrontieren. Diese Nachrichten werden gelöscht, bevor ich sie überhaupt sehe.“

Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) bietet den betroffenen Spielern zwar Rückhalt und Solidarität an, doch die Reaktion des Verbandes wird von einigen als zu zögerlich empfunden. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzt verstärkt auf technologische Lösungen, darunter einen Hatespeech-Filter, der bei Olympischen Spielen eingesetzt werden soll. Eine Zusammenarbeit mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) soll die Effektivität dieser Maßnahmen weiter erhöhen.

Kaufmann sieht durchaus Potenzial für ähnliche Schutzsysteme im Tischtennis. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann der DTTB die notwendigen Schritte unternimmt, um seine Athleten vor der toxischen Atmosphäre im Netz zu schützen. Die WM in London wird somit nicht nur sportlich, sondern auch ein Test für den Willen des Verbandes, sich dem Problem der Online-Hass effektiv zu stellen.

Die Zahl der Hassnachrichten gegen deutsche Sportler steigt alarmierend an – ein deutliches Zeichen, dass der Schutz der Athleten vor anonymen Online-Attacken dringender denn je ist.