Timo eder krönt stuttgart-wochenende mit boden-knaller
Timo Eder sprang, drehte, landete – und schlug sich auf den Oberschenkel. Dann kam das 14,600, und die Porsche-Arena kochte. Mit dieser Zahl sicherte der 23-Jährige aus Augsburg dem Deutschen Turner-Bund am Sonntag den einzigen Einzelgold-Gewinn beim DTB-Pokal – und verpasste der ganzen Veranstaltung einen dramatischen Schlussstrich.
Der boden wurde zur bühne
Kein anderer deutscher Turner hatte an diesem Wochenende in Stuttgart zuvor eine Geräte-Disziplin dominiert. Nach dem knappen Mixed-Team-Sieg am Vortag war Eders Parade-Element nun der Boden, wo er mit einer Doppellayout-Doppelsalto-Kombination glänzte. Die Schwierigkeit: 6,2. Die Ausführung: fast makellos. „Ich wollte dem Team ein Zeichen setzen, dass wir auch individuell mithalten können“, sagte Eder, noch sichtlich mit Adrenalin in der Stimme.
Doch die Euphorie hatte ein Verfallsdatum. DTB-Präsident Alfons Hölzl wirkte wie ein Mann, der eben einen Sieg verschriftet und gleichzeitig eine Rechnung präsentiert bekommt. „Wir haben gewonnen, ja. Aber schauen Sie auf die Einzelergebnisse: zwei Finalplätze aus zehn Entscheidungen. Das ist kein Zufall, das ist ein Spiegel“, sagte er und deutete auf die Ranglisten, die auf seinem Handy flimmerten.

Die konkurrenz schläft nicht – und das weiß auch karina schönmaier
Die 20-jährige Chemnitzerin, Europameisterin am Sprung, verzichtete aus Last-Protection auf ihre Spezialdisziplin. Stattdessen coachte sie von außen und beobachtete, wie internationale Konkurrentinnen wie die Schweizerin Lena Bickel oder die Britin Ruby Stacey neue Übungsteile einbauten. „Die Zeiten, in denen wir mit halben Programmen noch Podestplätze holen, sind vorbei. Bei der EM im August und der WM im Oktober zählt nur Vollgas“, so Schönmaier.
Barren-Europameister Nils Dunkel bestätigt den Eindruck. Mit zwei Band-Fingern quälte er sich auf 13,800 Punkte – Platz fünf. „Ein Stolperstart, genau“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Aber besser jetzt stolpern als im Herbst in Rotterdam.“

Was stuttgart wirklich zeigte
Die Statistik hinter den Klängen: Deutschland holte nur zwei Edelmetalle in Einzelwettbewerben – beide durch Eder. Die internationale Spitze kommt mit 6,4er Schwierigkeitswerten daher, während deutsche Turner meist bei 6,0 bleiben. Die Ausschreibung für Zagreb und Rotterdam liegt bereits auf dem Tisch der Bundestrainer. Wer dort nicht wenigstens einen Zehntel zulegt, verschwindet im Mittelfeld.
Am Ende stand Eder vor den Kameras, Goldmedaille im Nacken, und sagte: „Wir können jubeln – aber nur fünf Minuten.“ Die Uhr in der Arena zeigte 13:31 Uhr. Fünf Minuten waren genau verstrichen. Die nächste Herausforderung tickt bereits.
