Vfl gummersbach jagt champions-league-traum – und die hbl laviert im nebel

Der VfL Gummersbach ist zwei Punkte vom zweiten Tabellenplatz entfernt – und trotzdem weiß keiner, ob das am Ende für die Champions League reicht. Die Erweiterung der Königsklasse auf 24 Teams sollte eigentlich Klarheit bringen, doch das Gegenteil ist der Fall: Die Europäische Handball-Föderation (EHF) hat die Bundesliga im Unklaren gelassen, wie viele Tickets tatsächlich ausgeschrieben werden.

Die reform verspricht mehr plätze – aber nicht für alle

Christoph Schindler, Geschäftsführer des VfL, spricht offen aus, was viele Manager in der Liga umtreibt: „Wir wissen wieder nicht, welcher Tabellenplatz wofür reicht.“ Die HBL könnte einen dritten Startplatz erhalten, doch das ist kein Automatismus. Die acht zusätzlichen Tickets werden nach einem komplizierten Schlüssel verteilt – unter anderem an Länder mit weniger Tradition, an den European-League-Sieger oder als Wildcard. Das bedeutet: Selbst Platz drei in der stärksten Liga Europas könnte am Ende leer ausgehen.

Schindler fordert deshalb: „Sportliche Qualifikationswege müssen vorher klar definiert sein.“ Stattdessen läuft der Saisonendspurt unter Ungewissheit. Vereine müssen Kaderplanung, Marketing und Sponsorengespräche führen – ohne zu wissen, ob sie international spielen oder nicht. „Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf“, so Schindler.

Gummersbach will sich nicht in „wenn-dann-spielchen“ verlieren

Gummersbach will sich nicht in „wenn-dann-spielchen“ verlieren

Die Oberbergischen haben ihre beste Saison seit 20 Jahren. Rang vier, zwei Punkte hinter Flensburg, vier Spiele vor Schluss. Doch statt zu rechnen, setzt Trainer Emir Kurtagic auf Sieg. „Wir wollen die bestmögliche Platzierung – Punkt“, sagt Schindler. Dahinter steckt eine klare Philosophie: Wer sich auf Drittplatzierte oder Wildcards verlässt, verliert den Fokus.

Der Kampf um Platz zwei – oder vielleicht nur Platz eins – wird zum Dreikampf: Gummersbach, Flensburg und die Füchse Berlin jagen hinter dem sicheren Meister SC Magdeburg her. Jeder Punkt kann über Europa entscheiden, nur weiß eben keiner, ob er reicht.

Die EHF will erst nach Saisonende entscheiden. Für Vereine, die in Nachwuchs, Infrastruktur und internationale Präsenz investieren, ist das ein Schlag ins Gesicht. „Wir reden über Professionalisierung, und dann kommt so eine Willkür“, sagt Schindler. Die Konsequenz: Planung auf Sicht, statt Strategie auf Jahre.

Gummersbach wird weitermachen, Siege einfahren und hoffen. Aber wenn am letzten Spieltag die Rechnung aufgeht und Platz drei nicht reicht, war es nicht nur der Gegner, der den VfL stoppte – sondern auch die europäische Bürokratie.