Oscar kabwit: der 20-jährige flügelflitzer zündelt in der super league – basel und le havre lauern
Oscar Kabwitspielt sich in Rekordzeit vom Rookie zum begehrtesten Rohdiamanten der Schweiz. Zwölf Scorerpunkte in einem halben Jahr – und plötzlich klingelt das Handy von FC Luzern-Sportchef Stefan Wolf nicht mehr nur wegen Wetterfragen.
Basel hat den zettel schon ausgefüllt, aber.
Der FC Basel ließ intern durchsickern: Kabwit steht ganz oben auf der Sommer-Wunschliste. Noch ist nichts unterschrieben, doch die Beobachter von 4-4-2.com sprechen von „konkretem Interesse mit Handschlagpotential“. Die Roten wollen wieder nach vorne greifen – und der Kongolese liefert Sprinttiefen, die selbst Arthur Cabral neidisch machen würden.
Die Zahlen sind derb: 100 000 Franken genügen, um die Kaufoption zu ziehen. Klingt nach Schnäppchen, aber TP Mazembe sitzt mit im Boot. 40 Prozent jedes weiteren Weiterverkaufs wandern nach Lubumbashi. Luzern muss also entweder jetzt abliefern – oder später für eine irre Ablöse pokern. Die Rechnung ist simple: Verlangt der Klub fünf Millionen, bleiben nur drei. Bei zehn wären es sechs. Der Druck steigt mit jedem Dribbling.

Le havre schickt scout nummer drei – und ein fax
Die Franzosen von Le Havre sind nicht für große Sprüche bekannt, sie lieben Daten. Kabwits Sprintwerte (34,2 km/h) und seine Erfolgsquote in Eins-gegen-Eins-Situationen (62 %) haben sie aufhorchen lassen. Scout Grégory Delpit war bereits zweimal in der Swissporarena, am dritten Mal schickte er ein handschriftliches Fax ans Büro: „Prêt possible ou achat sec ?“ Leihgeschäft oder Sofortkauf? Die Antwort aus Zentralschweiz fiel bisher aus: „Wir besprechen nach der Saison.“
Mario Frick, noch bis Sommer Cheftrainer, schwärmt unverhohlen: „Er traut sich was, er spielt befreit – das ist heute selten.“ Aber Frick wird nicht mehr mitentscheiden. Sein Nachfolger dürfte den Spieler erst einmal nur aus Kurzclips kennen. Kabwit aber spielt weiter, als gäbe es kein Morgen. Gegen St. Gallen tankte er sich in der 89. Minute noch durch zwei Gegenspieler, legte das 3:2 auf. Die Kurve tobte, die Scouts applaudierten diskret.
Die entscheidenden Wochen stehen bevor. Je länger Luzern wartet, desto größer der Poker. Aber ein einziger Kreuzbandriss, ein Formtief – und die Millionen tröpfeln ab. Die Devise im Klub lautet deshalb: Titel retten, dann Kasse machen. Kabwit selbst lächelt nur, wenn Reporter nach seiner Zukunft fragen. „Ich habe Vertrag“, sagt er auf Französisch, „der Rest kommt von Gott.“ Der Rest kommt aber eher von Angeboten, die sich stapeln wie Frühlingsschnee auf dem Pilatus.
Wenn am 1. Juli die Transferliste öffnet, dürfte Oscar Kabwit nicht mehr in Luzern stehen. Die Frage ist nur, ob die Reise nach Basel, Le Havre – oder direkt in die Premier League – geht. Und ob die 100 000 Franken am Ende als beste Investition der Super-League-Geschichte in die Annalen eingehen.
