Inter schmiedet finale kupplung: chivu mischt die karten neu
Mailand – Noch hat Cristian Chivu nur an der Seitenlinie gestanden, doch sein Fingerabdruck ist schon auf jedem einzelnen Blatt der Aufstellung zu sehen. Die „ThuLa“-Maschine läuft auf Sparflamme, Barella soll nur eine Halbzeit geben, Dumfries kaum mehr als eine Viertelstunde. Kein Trainergeflüster, sondern ein kalkulierter Plan: die Inter-Version 2.0 für das Pokalfinale gegen Lazio am Mittwochabend im Olimpico.
Rotation als chemieexperiment
Die Generalprobe am Wochenende war ein Laborlauf. Thuram und Martinez durften sich austoben, Barella wurde nach 45 Minuten geschont, Akanji, Dimarco und Zielinski blieben gar komplett in der Kabine. Dahinter steckt keine Gefühlskälte, sondern kalte Mathematik. Nach 37 Liga-Spielen in fünf Wochen wollen die Muskelfasern nicht mehr, aber der Kopf muss noch eine Schippe drauflegen. „Wir wollen die beste Version von uns selbst“, hatte Chivu nach dem 2:0 gegen Como gesagt – und genau diese Version will er in Rom abrufen.
Die Zahlen sprechen für ihn: Seit seinem Amtsantritt hat Inter in zwölf Pflichtspielen nur ein Gegentor kassiert, wenn die Startelf mehr als drei Wechsel enthielt. Die Bank ist kein Notnagel, sondern ein zweites Spritzenpäckchen.

Die zehnte coppa soll her
Nur fünf Klubs in Italien schafften je das Double; die Nerazzurri zuletzt 2010 unter Mourinho, damals mit drei Titeln. Die neunte Coppa Italia holten sie 2022, Torschütze des Tages: Lautaro Martinez. Genau er und Barella sind die letzten Überlebenden jener Nacht gegen die Fiorentina. Wenn sie am Mittwoch wieder treffen, winkt die zehnte – ohne Stern, dafür mit Platz auf dem offenen Doppeldecker, der Sonntag durch Mailand rollt.
Doch Chivu warnt: „Lazio wird nicht dieselbe sein wie Samstag.“ Sarri rotierte seinerseits sieben Positionen, die Beine seiner Stars sind frisch. Für Inter wird es die erste Final-Auswärtspartie seit 2011, und die 20.000 mitreisenden Fans reichen nicht, um das Olimpico in ein San Siro zu verwandeln.

Die elfmeterkandidaten stehen schon
Die einzige Fragezeichenposition liegt vor der Abwehr. Calhanoglus Oberschenkelzerrung zwingt Zielinski ins Zentrum, auf der rechten Seite des Mittelfeldes ringen Sucic und Mkhitaryan. Der Kroate durfte gegen Como 79 Minuten durchlaufen, Mkhitaryan spielte durch – dennoch liegt Sucic vorn, weil sein Solo gegen Como Chivus erste Finale als Chef überhaupt erst möglich machte. Tor: Martinez; Dreierkette Akanji-Bastoni-Bisseck; Flügelzange Dumfries- Dimarco; Doppel-Sechs Zielinski-Barella; offensiv Sucic; Spitze Thuram-Lautaro. Keine Experimente mehr, nur noch Reaktion.
Die Bank ist diesmal kein Sammelbecken für Frustrierte. Frattesi, Asllani, Arnautovic – alles Joker, die in der Länderspielpause noch 90 Minuten in den Beinen hatten. Chivu kann auf jeder Position zwei Gänge hochschalten, ohne Qualität zu verlieren.

Abschiede und ankündigungen
Neben dem Pokal steht auch ein Stück Zukunft auf dem Rasen. De Vrij, Darmian, Sanchez, Cordaz und Audero laufen aus dem Vertrag, für Bastoni klopft der FC Barcelona schon wieder an. Die Entscheidung fällt nach dem Finale, Budget und sportliche Planung hängen an der Prämie von rund sieben Millionen Euro. Chivu selbst wird bis 2028 unterschreiben, doch erst wenn der Pokal im Bus Richtung Mailand rollt, beginnt die echte Transferperiode.
Die Mannschaft hat das verstanden. Wer am Mittwoch spielt, demonstriert, warum er bleiben darf. Wer auf der Bank sitzt, beweist, warum man ihn braucht. Die Rotation war kein Luxus, sondern eine Absicherung gegen die eigene Erschöpfung. Wenn sie funktioniert, holt Inter das Double. Wenn nicht, war es trotzdem der richtige Versuch.
23.45 Uhr, Stadio Olimpico – dann zeigt sich, ob Chivus Chemieformel hält. Die Zutaten sind gemixt, das Rezept steht. Jetzt muss nur noch der Ofen stimmen.
