Freiburg trotzt genk-blues: schuster zündet heim-fantasie
Null Tore, null Überraschung, aber hundert Prozent Lebenszeichen: Sport-Club Freiburg kassierte in Genk eine 0:1-Beule, darf aber weiter vom ersten Viertelfinale der Vereinsgeschichte träumen. Julian Schuster sprach nach dem Hinspiel Klartext, ließ die Kirche aber nicht im Dorf.

Schuster nach genk-pleite: „wir haben das selbstvertrauen“
Die Zahlen sind hart: Kein Tor in 90 Minuten, erst sieben Schüsse, kein einziger auf das Gehäuse. Doch die Tabelle der Europa League erlaubt eine Wundertüte: Ein 1:0 im Schwarzwald-Stadion reicht, um KRC Genk zu entzaubern. „Wir hätten uns eine andere Ausgangsposition gewünscht“, sagte Schuster bei RTL+, „aber das Positive ist, dass für uns im Rückspiel noch alles möglich ist.“
Die Botschaft klingt wie ein Mantra, das der Coach seit Wochen übt. Freiburg gewann bisher alle Heimspiele in dieser Europacup-Saison – gegen Olympiakos, gegen West Ham, gegen St. Gallen. Die Serie soll am Donnerstag um 21 Uhr fortgeschrieben werden. „Wir werden mit sehr viel Überzeugung in das Rückspiel gehen“, verspricht Schuster, der seine Mannschaft nach der mäden ersten Hälfte in der Kabine gerüffelt hatte.
Matthias Ginter zog die Selbstkritik noch schärfer. Der Innenverteidigungs-Chef sprach von „nicht ausreichender“ Bewegung und mangelnder Lösungsfindung im Aufbau. „Ehrlicherweise haben gerade in der ersten Halbzeit ein paar Positionen nicht die Form der letzten Wochen gehabt“, sagte der Weltmeister von 2014. „Trotz des nicht gerade optimalen Resultats ist noch alles drin – aber dann brauchen wir eine andere Tagesform.“
Genk-Trainer Wouter Vrancken hatte seinem Team eine taktische Meisterlektion erteilt: Fünferkette, enges Mittelfeld, Nadelstiche nach vorn. Der Treffer von Tolu Arokodare kurz vor der Pause war die logische Folge. Freiburg lief sich in den Angriff fest, Ritsu Dōan und Vincenzo Grifo fanden keine Räume, Lucas Höler wirkte isoliert.
Die Statistik gibt den Breisgauern dennoch Rückenwind: In elf Europacup-Heimspielen unter Schuster gab es nur eine Niederlage – jene 0:1-Pleite gegen West Ham im Vorjahr. Seitdem läuft eine Serie von fünf Siegen in Folge. Die Fans werden das Stadion wieder in eine Wand verwandeln, die 24 000 Soli erwartet am 20. März ein einziges Ziel: das erste Viertelfinale der SC-Geschichte.
Schuster warnte vor übereiltem Pathos. „Wir sind gewarnt – der Gegner hat gezeigt, welche Qualitäten er hat.“ Doch der Coach weiß auch: Ein frühes Tor, ein einziger Moment, und die Dynamik schlägt um. Die Mannschaft flog in der Nacht zum Freitag zurück, die Beine werden geschwommen haben, der Kopf aber arbeitet schon an der Revanche. Wer Freiburg in dieser Saison abschreibt, erntet nur ein müdes Lächeln.
