Thw kiel: der fall ist erledigt – europa rückt in weite ferne
Ein Schock geht
durch die Handball-Szene: Der THW Kiel, einst unangefochtene Größe und selbsternannter „FC Bayern“ der Bundesliga, muss sich dem bitteren Realitätsschock stellen. Nach einer verkorksten Saison 2025/26 droht dem Rekordmeister der Absturz in die Bedeutungslosigkeit – Europa ohne Kiel, das ist ein Szenario, das viele kaum für möglich gehalten hätten.
Die ära der dominanz ist vorbei
Drei Jahrzehnte lang prägte der THW Kiel das Bild des deutschen und europäischen Handballs. 23 nationale Titel, fünf Champions-League-Siege – die Liste der Erfolge ist lang und beeindruckend. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Aufstieg von Klubs wie SC Magdeburg und Füchse Berlin hat dem Kieler Nimbus als Branchenprimus nachhaltig geschadet. Die jüngste Saison krönte diese Entwicklung auf bittere Weise: Der THW Kiel verpasst erstmals seit 33 Jahren die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb.
Die Entscheidung fiel am Donnerstagabend mit dem Gewinn der Vizemeisterschaft durch die Füchse Berlin. Für Kiel reichte Platz fünf nicht aus, um sich für die European League zu qualifizieren. Die Zahl spricht eine deutliche Sprache: Der THW Kiel, einst das Aushängeschild des deutschen Handballs, muss sich mit einem Platz im Mittelfeld der Bundesliga zufrieden geben.
Einem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit steht nichts mehr im Wege. Die Möglichkeit, sich über ein „Upgrade“ der Europäischen Handballföderation (EHF) zu qualifizieren, wurde von den Verantwortlichen der EHF bereits deutlich eingeschränkt. „Es ist unwahrscheinlich, dass die EHF eine siebte Mannschaft aus der Bundesliga zulassen würde“, erklärte EHF-Sprecher Thomas Schöneich gegenüber dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (SHZ).
Die letzte Meisterschaft liegt bereits über zwei Jahre zurück (Saison 2022/23). Das emotionale Klubmotto „Wir sind Kiel“ wirkt angesichts der aktuellen Lage hohl. Es wäre wohl zeitgemäßer, sich der Realität zu stellen und zu sagen: „Wir waren Kiel.“
Das letzte Spiel der Saison gegen den TBV Lemgo Lippe am Sonntag (15 Uhr, live bei Dyn) bietet zwar die Chance, zumindest Rang fünf zu verteidigen, doch die Perspektiven sind düster. Es bleibt zu hoffen, dass der THW Kiel aus dieser Krise gestärkt hervorgeht und einen Neuanfang wagt. Die Handball-Welt wird es beobachten – mit gemischten Gefühlen.
