Thomas reis über überraschendes aus bei samsunspor: „ehrlichkeit ist nicht immer bequem“

Schockierende trennung in der türkei: thomas reis spricht klartext

Reinhard Franke, 27.02.2026 • 16:59 Uhr – Die Zusammenarbeit zwischen Thomas Reis und Samsunspor endete überraschend. Im exklusiven Interview mit SPORT1 spricht der 52-jährige Deutsche erstmals offen über die Gründe für das abrupte Ende, unterschiedliche Zielvorstellungen und die Rolle des sportlichen Erfolgs.

Nachträgliche trennung trotz guter platzierung

Nachträgliche trennung trotz guter platzierung

Mitten in der Nacht wurde das vielversprechende Projekt beendet. Trotz einer historisch guten Platzierung und der Aussicht auf internationale Wettbewerbe trennte sich der türkische Erstligist Samsunspor vor zwei Wochen unerwartet von Trainer Thomas Reis. Im SPORT1-Interview erklärt der Coach nun die Hintergründe – und warum sportlicher Erfolg allein nicht ausreichte.

„Ich habe das gut verarbeitet“

SPORT1: Herr Reis, wie geht es Ihnen nach dieser – vorsichtig formuliert – ungewöhnlichen Beurlaubung?

Thomas Reis: Mir geht es gut. Ich habe das sehr gut verarbeitet, weil es leider Teil des Geschäfts ist. Es war nicht meine erste Freistellung in meiner aktiven Trainerkarriere. Daher ist für mich alles in Ordnung. Ich glaube, ich bin erhobenen Hauptes gegangen.

Der zeitpunkt als überraschung

SPORT1: Sportlich waren Sie erfolgreich, die Fans haben Sie angenommen. Trotzdem kam die Entlassung in der Nacht von Freitag auf Samstag. War das ein Schock?

Reis: Völlig überraschend war es nicht. Der Zeitpunkt war schon unerwartet. Ich hatte dem Verein Ende Januar offiziell mitgeteilt, dass ich im Sommer gerne etwas Neues probieren und meinen Vertrag nicht verlängern würde. Der Klub war informiert. Wir hatten besprochen, wann der beste Zeitpunkt für eine öffentliche Kommunikation wäre, da im Februar viele wichtige Spiele anstanden – Liga, Conference League, türkischer Pokal. Eigentlich war geplant, die Trennung Ende Februar bekannt zu geben. Das kam dann nicht zustande, da der Verein, mit der Gewissheit eines neuen Trainers im Sommer, den Wechsel beschleunigen wollte.

Unterschiedliche sportliche ziele als hauptgrund

SPORT1: Es heißt, Sie und der Klub konnten sich nicht auf gemeinsame sportliche Ziele einigen. War das der Hauptgrund?

Reis: Ja, das stimmt. Die finanziellen Gespräche waren in Ordnung, da gab es keine Probleme. Es ging mir um die sportlichen Ziele. Ziele sind wichtig, aber sie müssen realistisch sein. Dauerhaft unter die Top vier oder fünf zu kommen oder regelmäßig europäisch zu spielen, ist ein sehr hohes Ziel, wenn der finanzielle Rahmen nicht mit den Top-Teams mithalten kann. Man darf solche Träume haben, aber mir war wichtig, dass man nicht vergisst, woher wir kommen und wie sehr wir in der letzten Saison überperformt haben. Hier gingen die Erwartungen auseinander.

„Ehrlichkeit ist nicht immer einfach“

SPORT1: Sie haben wegen des Etats Bedenken geäußert. War Ehrlichkeit am Ende ein Nachteil?

Reis: Ich versuche immer, ehrlich zu sein – gegenüber Vereinsverantwortlichen, Präsidenten und Managern. In der Türkei sind die Strukturen anders als in Deutschland, aber meine Art ist dieselbe. Ich habe frühzeitig kommuniziert, wie ich meine Zukunft sehe, damit der Verein Planungssicherheit hat. Ehrlichkeit ist nicht immer einfach, aber ich bin damit immer gut gefahren und stehe auch heute dazu.

Kein groll, aber klare worte

SPORT1: Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Reis: Ungerecht würde ich es nicht nennen. In der Türkei ist die Haltbarkeit von Trainern generell gering, und ich war mit knapp 20 Monaten schon über dem Durchschnitt. Während meiner Amtszeit haben nur Galatasaray, durch die Meisterschaften, und Göztepe in der Liga den Trainer nicht gewechselt. Ich finde die Entlassung schade, weil wir auf einem guten Weg waren. Wir standen vor den Playoff-Spielen in der Conference League immer noch auf einem ordentlichen siebten Platz und waren auch im türkischen Pokal erfolgreich. Kurz vor den internationalen Playoffs freigestellt zu werden, ist enttäuschend. Aber die Entscheidung liegt beim Verein, und die akzeptiere ich.

Blick zurück und ausblick

SPORT1: Sind Sie bereit für eine neue Aufgabe?

Reis: Ja. Ich bin jetzt zurück in Deutschland und der deutsche Profifußball ist immer interessant. Ich hatte hier großartige Erfahrungen. Ich nutze die Zeit, um viel zu analysieren. Aber ich bin auch für einen neuen Job in der laufenden Saison offen. Ich muss nicht unbedingt bis zum Sommer warten. Gerüchte um Gladbach und Wolfsburg kommentiere ich nicht.

Wichtige fakten im überblick:

  • Trainer: Thomas Reis
  • Verein: Samsunspor (Türkei)
  • Grund für die Trennung: Unterschiedliche sportliche Ziele
  • Dauer der Amtszeit: Knapp 20 Monate