Thiemann ballert kroatien mit 24 punkten weg – und das im 100. länderspiel

Johannes Thiemann hat sich den Jubiläums-Kuchen selbst eingefüttert. 24 Punkte, 12 Rebounds, 100. Länderspiel – und am Ende ein 91:89 nach Verlängerung gegen Kroatien. Der Telekom Dome in Bonn kochte, Thiemann schob locker die Hände in die Shorts und sagte: „Ist cool.“

Ein bild, ein blick, ein machtwort

Vor dem Sprungball überreichten DBB-Präsident Ingo Weiss und Vize Armin Andres ein gerahmtes Foto. Darauf: Thiemann in typischer Power-Forward-Pose – Ellbogen hoch, Blick auf den Korb, als würde er schon wissen, dass der Ball irgendwann wieder runterkommt. Danach ging’s ans Eingemachte. Thiemann traf Dreier, versenkte Fade-Away-Würfe, zog Fouls. Sein bisheriger Länderspiel-Bestwert? 17 Punkte. Gestern war er sieben Punkte besser – und das gegen eine kroatische Rotation mit drei NBA-erfahrenen Big Men.

Ohne Dennis Schröder, der in Los Angeles bleibt, führte Thiemann das Team an. Oscar da Silva formulierte es so: „JT ist unser Go-to-Guy. Er liest die Defense wie ein Comic.“ Die Zahlen sprechen mit: 9/14 Feldwürfe, 6/7 Freiwürfe, plus 2 Steals. Dazu die entscheidende Tap-in-Korblegung 23 Sekunden vor Schluss in der Verlängerung.

Revanche nach zagreb-blues

Freund und Feind erinnerten sich an Freitag: 88:93 in Zagreb, verwandelte Gesichter, fragwürdige Schiri-Calls. Gestern drehte Deutschland den Spieß um. 16 Punkte Rückstand Mitte des 3. Viertels? Egal. Maodo Lô schaltete nach dem Seitenwechsel auf Turbo, Andreas Obst netzte von außen, Thiemann polierte das Brett. 1:1 im Playoff-Format – und die Quali für die WM 2027 bleibt offen wie ein Euroleague-Double-Drag.

Für Thiemann ist der Einsatz auch eine psychologische Rückkehr. Eine Gehirnerschütterung hatte ihn in Japan blockiert, zwölf Wochen kein Spiel, nur Joggen und Kopfschmerzen. „Es ist immer bitter, wenn du nur in der Kurve sitzt“, sagt er. Jetzt ist er wieder da – und wie. Sein Chefcoach Gordon Herbert schmunzelt: „Er ist 32, aber seine Beine sagen 26.“

Die tabelle lügt nie

Mit dem 1:1-Auswärtssieg setzt Deutschland die Trendwende in der Gruppe K fort. Das nächste Fenster steht im Sommer, Gegner stehen noch nicht fest. Was feststeht: Ohne Thiemanns Leadership wird es eng. Die Statistik seit 2021 zeigt: In Spielen mit über 20 Minuten Einsatzzeit von Thiemann kassiert Deutschland durchschnittlich 6,4 Punkte weniger pro 100 Possessions. Das ist kein Zufall, das ist Match-up-Hell für Gegner.

Thiemann selbst schaltet schnell runter. Familie wartet, Frau und Tochter. Er packt das Bild ein, das ihm vor dem Spiel überreicht wurde. „So’n Abend macht Lust auf mehr“, sagt er und meint nicht nur die nächste Quali-Runde, sondern auch die Gedanken an ein fünftes WM-Turnier 2027. Den Rektor hat er schon, jetzt will er den Pokal.