Ter stegen wird an der urne abgewiesen – laporta bleibt könig von barça

Marc-André ter Stegen wollte wählen, durfte aber nicht. Der deutsche Weltmeister stand Sonntag früh im Camp Nou, Personalausweis in der Hand, und wurde trotzdem weggeschickt. Sein Name fehlte auf der Liste. 68,18 Prozent der Stimmen gingen trotzdem an Joan Laporta – und damit auch die Macht über Barça bis 2031.

Die prozedur dauerte drei minuten, die message fürs leben

Ter Stegen hatte sich kurz vor 10 Uhr eingefunden, wie spanische Zeitungen einhellig berichten. Die Wahlhelfer scannten seinen Mitgliedsausweis, der Scanner blinkte rot. Zweiter Versuch, dritter – nichts. Laut Vereinssatzung sind nur Mitglieder stimmberechtigt, deren Daten vollständig und aktuell sind. Beim verletzten Torhüter war offenbar genau das nicht der Fall. „Ein technischer Fehler“, so die knappe Erklärung des Klubs hinterher. Für Ter Stegen war es ein affentourlicher Abstieg vom Feld in die politische Sperrzone.

Der 33-Jährige ist seit 2014 Profi der Blaugrana, seit 2018 Stammkapitän, Vertrag bis 2028. Doch seit seiner Leihe zu Girona und der anschließenden Oberschenkel-OP ist er bei Barça nur noch Eintrag in der Gehaltsliste. Dass er nun auch noch die demütigende Show an der Urne erleben muss, setzt dem früheren Liebling der Culés die Krone auf. „Er hat nicht mal gefragt, warum“, zitiert Mundo Deportivo einen Zeugen. „Er ist einfach wieder raus, Kopf gesenkt.“

Laportas sieg war nie gefährdet – trotz schulden, trotz stunk

Laportas sieg war nie gefährdet – trotz schulden, trotz stunk

Während Ter Stegen durch die Revolving-Door schritt, feierte Laporta im benachbarten Pressezelt bereits den Sieg. 68,18 Prozent – keine Mehrheit, eine Demonstration. Der 63-Jährige schlägt seinen Herausforderer Toni Freixa (21,4 %) und den Ex-Vorstand Ferran Olive (10,2 %) mit dem Votum für Weiter-so. Die Fanclubs hatten zuvor mit Sprechchören gegen die horrenden Ticketpreise protestiert, die Schuldenlast liegt bei 1,35 Milliarden Euro. Laporta verkauft das als „Projekt der Stabilität“ und kassiert trotzdem Jubel.

Der Präsident profitiert von der Einbahnstraßen-Mentalität vieler Mitglieder: Wer Barça liebt, fürchtet Chaos mehr als Korruption. Und so sieht die Gegenrechnung aus: Laporta verspricht, die juristischen Auseinandersetzungen mit der La Liga weiter vor Gericht zu tragen, die Super-League-Pläne zu retten und den Spieleretat trotz 1:1-Regel zu entschärfen. Klingt utopisch, reicht aber, um die Mehrheit hinter sich zu spannen. Die Frage ist nur, ob Ter Stegen nach dieser Wahl überhaupt noch Teil des Plans ist.

Die wm rückt näher, seine uhr tickt lauter

Die wm rückt näher, seine uhr tickt lauter

Julian Nagelsmann hat Ter Stegen zuletzt mit spitzen Fingern gelobt: „Ich schließe die Tür nie ganz.“ Doch die Tür ist schon ein Spalt, und durch diesen Spalt blickt Alexander Nübel, blickt Oliver Baumann, blickt ein ganzer Schwarm junger Keeper. Die Operation in Helsinki war kompliziert, der Muskelansatz musst neu fixiert werden, der Reha-Zeitplan liegt bei vier Monaten. Dann wird der 34-jährige Ter Stegen in einem Sommer, in dem eine Weltmeisterschaft steigt, wieder auf dem Markt sein – aber nicht auf dem Rasen.

Barça wird ihn nicht aufhalten. Laporta braucht Gehaltsspielraum, und Ter Stegens 21 Millionen Euro Jahresgehalt sind das größte Einsparpotenzial. Ein Sommertransfer 2025 wäre logisch, 2026 auf jeden Fall. Ter Stegen selbst schwieg nach dem Urnen-Fiasko, ließ nur durch seinen Berater verlauten: „Er konzentriert sich auf die Reha.“ Klingt nach Standard, ist aber das Einzige, was ihm bleibt. Die Macht liegt jetzt bei Laporta – und der hat gerade bewiesen, dass er auch Mitglieder aussperren kann, wenn es nützt.

Am Ende zählt nur die Zahl: 68,18 %. Keine Proteststimmen, keine Revolte. Ter Stegen durfte nicht wählen, Laporta darf weiterregieren. Und der deutsche Torhüter? Der lernt gerade, dass man in Barcelona auch mit dem Captain’s-Armband vor verschlossenen Türen stehen kann.