Ashley cole übernimmt cesena: englands ex-star mischt die serie b auf
Ashley Cole sitzt plötzlich auf der Bank von Cesena – und niemand sah ihn kommen. Der ehemalige englische Nationalspieler, 107 Länderspiele, drei Premier-League-Titel, eine unverwechselbare Karriere, ist neuer Chefcoach des italienischen Zweitligaclubs. Die Meldung schlug ein wie eine Bombe, denn Cole war zuletzt als Assistent bei Derby County im Gespräch, nicht als Solist in der Serie B.
Warum cole? die antwort liegt in der dna von cesena
Der Klub, 2022 nach Insolvenz neu gegründet, spielt verrückt. Präsident Luca Campedelli sucht seit Jahren nach dem besonderen Schlag, dem Impuls, der die rosa-grüne Wallung wieder in die erste italienische Liga trägt. Mit Massimo Mignani war die Philosophie klar: Ballbesitz, hohe Linie, Risiko. Die Ergebnisse? Mittelmaß. Also flog Mignani – und Cole rutschte rüber auf den Stuhl, auf dem sonst nur italienische Trainergrößen oder verrückte Ausländer wie Zdeněk Zeman platznahmen.
Cole hat keine eigene Head-Coach-Vergangenheit, aber er bringt das, was Cesena braucht: Globalstrahlkraft. In England gilt er nach wie vor als „Mr. Arsenal“, in Italien kennt man ihn aus Champions-League-Duellen gegen Juve und Mailand. Seine 22 Tore in der Königsklasse hat kein linker Verteidiger seither überboten. Das weiß auch Campedelli, der sich mit dem Transfer einen Schub aus dem Marketing-Budget erhofft: DAZN sicherte sich schon die ersten Interview-Rechte, der Klub-Shop läuft heiß, „Cole 3“-Trikots sind seit gestern ausverkauft.

Die top-10 der verrücktesten trainer-coups italiens
Cole reiht sich ein in eine Liga, die sich seit jeher mit spektakulären Personalien brüstet. 1987 wollte Silvio Berlusconi den Basketball-Coach Dan Peterson zum AC Milan lotsen – ein Traum, der nur deshalb scheiterte, weil Peterson kein Fußball spielte. 2003 schockte Palermo mit Franco Sensi, der Serse Cosmi aus dem TV-Studio auf die Bank holte. Cagliari setzte 2014 auf Zdeněk Zeman, der mit 67 Jahren noch immer kein Training ohne Zigarette begann. Und Parma schuf 2015 das Kunstprojekt „Il Mago di Velasquez“, einen spanischen Kunstmaler, der nebenbei Taktikbretter skizzierte.
Die Bilanz: mal Glanz, meist Rauch. Die meisten dieser Experimente endeten mit Mittelfeld oder Abstieg. Aber sie erzeugten ein Kribbeln, das kein Marketing-Budget der Welt kaufen kann.

Cole hat 12 spiele, um geschichte zu schreiben
Die Serie B ist ein Pulverfass. Cesena liegt nach 30 Spieltagen auf Rang zwölf, drei Punkte hinter dem Relegationsplatz. Die Defensive kassierte 41 Gegentore, nur drei Klubs sind schlechter. Cole muss also vor allem eins: die Null hinten reparieren. Seine erste Maßnahme: Luca Crescenzi und Filippo De Col sollen künftig als invertierte Außenverteidiger agieren, ein System, das Cole selbst bei Arsenal unter Arsène Wenger perfektionierte. Die erste Test-PK: 15 Minuten, kein Fragezeichen, kein Lächeln. „Ich bin kein Entertainer, ich bin Lehrer“, sagte er auf gebrochenem Italienisch.
Die Spieler reagieren zwiegespalten. Kapitän Simone Rabbi lobt die „Professionalität eines Champions“, Stürmer Mirco Antenucci erinnert sich an das 0:4 von Arsenal gegen Milan 2012, als Cole ihn auf links einmauerte. „Er war schneller als mein Gedanke“, sagt Antenucci heute lachend. „Wenn er uns beibringt, wie man Tore verhindert, nehme ich’s gern in Kauf, dass er kein Witzbold ist.“
Die rechnung geht auf – oder cesena explodiert
Der Vertrag läuft bis Juni, mit Option auf weitere zwei Jahre. Die Klauseln: 15 Punkte aus den letzten zehn Spielen, mindestens Platz acht, und ein Durchschnitt von 1,5 Gegentoren pro Partie. Alles andere wäre „nicht sustenibile“, wie Campedelli sagt. Die Fans sind gespalten: Die Kurve „Brigata Mai“ hängte ein Banner auf: „Non vendete l’anima per un click“. Die Jungs von „Cesena Club“ dagegen sehen endlich wieder ein Gesicht, das über Emilia hinausstrahlt.
Cole selbst scheint das Spektakel zu genießen. Nach der ersten Einheit schob er sich in den Audi Q7, ließ das Fenster runter und griff nach dem Handy. „Mum, ich bin jetzt in Italien. Ja, echter Trainer. Nein, kein Scherz.“ Dann fuhr er los, Richtung Via Emilia, vorbei an Palmen und rosa-grünen Fahnen. Ob er der nächste Gaucci oder der erste englische Meistertrainer der Serie B wird? In zwölf Wochen wissen wir es. Bis dahin zählt nur ein Satz: Forza Cesena – und Ashley, verdammt, lass uns staunen.
