Tempolimit-senkung um 10 km/h: eu-kommissar will autobahn-bremser gegen energie-krise
Die Rennstrecke wird zur Schleichspur: EU-Energiekommissar Dan Jørgensen drängt die 27 Mitgliedstaaten, die Autobahn-Geschwindigkeit sofort um mindestens zehn Stundenkilometer zu drosseln. Grund ist die blockierte Straße von Hormuz – und ein Ölpreis, der nach der iranischen Eskalation längst wieder Richtung zwei Euro pro Liter sprintet.
Brüssel sieht den vorhang zu – die ministerländer leugnen noch
In der Kommission schlagen die Uhren anders. Jørgensen zeichnet ein Szenario, das kein Verkehrsminister hierzulande auf seinem Schreibtät liegen haben will: dauerhafte Knappheit an Diesel, Benzin und Flüssiggas, Lieferketten, die sich wie ein leer laufender Durstschlauch zusammenziehen, Tankstellen, an denen wieder Banderolen mit „Restbestand“ kleben. Sein Appell: „Handelt jetzt, bevor die Preise eure Wirtschaften lahmlegen.“ Die Antwort aus den Hauptstädten: „Kein akuter Engpass.“ Ein Spagat zwischen Zahlen und Wunschdenken.
Italiens Regierung setzt unterdessen den Treibstoff-Rabatt von 24,4 Cent pro Liter bis 30. April fort – ein Pflaster auf einer Wunde, die längst blutet. Sollten die iranischen Revolutionsgarden das Hormuz-Becken weiter blockieren, kostet Super bereits Pfingsten wieder 1,95 Euro, Diesel 2,30 Euro. Die Rechnung ist simpel: wer heute 130 statt 120 km/h fährt, zahlt morgen 15 Euro mehr pro Tankfüllung.

Homeoffice und öpnv: der zehn-punkte-notfallplan
Die Internationale Energieagentur (IEA) lieferte vor zwei Wochen das Skript, Brüssel übernimmt es eins zu eins. Neben Tempo-10-Abbau empfiehlt Jørgensen drei Homeoffice-Tage pro Woche, kostenlosen Nahverkehr an Werktagen und Sonntagsfahrverboten für Lkw über 7,5 Tonnen. Die Maßnahmen könnten laut IEA den Ölbedarf der EU innerhalb von vier Monaten um 6,5 Prozent drücken – das entspricht dem Jahresverbrauch Polens.
Doch die Macht liegt in den Landeshauptstädten. Ohne Zustimmung der Verkehrsminister bleibt alles Lippenbekenntnis. Berlin signalisiert „Prüfung“, Paris lehnt „sympathische, aber unverhältnismäßig“ ab, Madrid fürchtet um den Tourismus. Die Klaviatur der Blockierer ist so vertraut wie das Tempo-130-Schild auf der A8.
Am horizont droht der zweite preissprung
Die Ölbörse tickt bereits. Brent-Preise stiegen seit der Hormuz-Blockade um 18 Prozent, die Weiterleitung an die Zapfsäulen verläuft mit zweiwöchiger Verzögerung. Wer jetzt nicht spart, zahlt doppelt: einmal an der Kasse, einmal über die Steuer, wenn Wirtschaftshilfen die Defizitbremse sprengen. Die Uhr läuft – und sie läuft schneller als jeder SUV auf der linken Spur.
