Tedesco packt koffer: fenerbahçe entlässt coach nach derby-pleite

Istanbul bangt – Fenerbahçe hat nach der schmerzhaften Niederlage im Derby gegen Galatasaray und dem wohl verpassten Meistertitel die Konsequenzen gezogen und Domenico Tedesco entlassen. Der 40-jährige Trainer äußert sich nun erstmals zu seinem plötzlichen Aus, das die Fußballwelt in der Türkei erschüttert.

Ein abschied voller bitterkeit und stolz

Ein abschied voller bitterkeit und stolz

„Ich finde es sehr schade, dass es so gekommen ist“, erklärte Tedesco gegenüber Sport BILD. Seine Worte spiegeln die Enttäuschung wider, die nicht nur er, sondern auch viele Fans empfinden. Der Fußball, so Tedesco, sei schnelllebig, doch der Zeitpunkt des Abschieds kommt besonders überraschend, da erst kürzlich über eine vorzeitige Vertragsverlängerung gesprochen wurde. Nach nur zwei Ligaspielen in dieser Saison geht die Reise nun getrennt weiter.

Tedescos Engagement bei Fenerbahçe war von Höhen und Tiefen geprägt. Er übernahm den Klub mitten in einer chaotischen Phase und stabilisierte das Team sportlich. Der Wechsel des Präsidenten, der mitten in der Halbzeitpause eines Spiels verkündet wurde, sorgte für zusätzliche Unruhe und wirkte sich offenbar auf die Entscheidungsfindung aus. Der Wettskandal um Kapitän Mert Hakan Yandas und weitere Vorfälle im Umfeld trugen ebenfalls zur angespannten Atmosphäre bei.

Trotz des Chaos gelang es Tedesco, das Team zu formen. In seinen ersten 22 Ligaspielen blieb Fenerbahçe ungeschlagen, gewann den Supercup und erreichte die K.o.-Runde der Europa League, wo sogar der VfB Stuttgart geschlagen wurde. Intern genoss der Trainer großes Vertrauen, wie Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi betonte: „Er ist ein großartiger Trainer. Er ist wie Unai Emery. Beide wollen offensiven Fußball spielen, den Ball haben und Tore schießen.“

Tedesco setzte auf Geduld und den Aufbau einer nachhaltigen Struktur. „Als ich anfing, lautete die Zielsetzung, gemeinsam etwas aufzubauen, was auch nachhaltig ist“, erklärte er. Doch die lange Meistertrophäen-Flaute (seit 2014) und die damit einhergehenden Erwartungen schienen den Druck auf den Verein zu erhöhen.

Die Entscheidung des Klubs, Tedesco zu entlassen, stieß bei den Fans auf wenig Zustimmung. Viele forderten stattdessen den Rücktritt des Präsidenten. Tedesco selbst zeigte sich dennoch versöhnlich: „Es war eine sehr intensive Zeit mit wahnsinnig vielen Eindrücken. Ich bedanke mich vor allem bei den Fans, die uns immer unterstützt haben und die diesen Klub zu etwas ganz Besonderem machen.“

Ob Thomas Reis, der ehemalige Trainer von Samsunspor, die Nachfolge von Tedesco antreten wird, bleibt abzuwarten. Er äußerte bereits sein Interesse an der Aufgabe: „Gala, Fener oder Besiktas zu trainieren wäre großartig.“

Die Entlassung Tedescos wirft ein Schlaglicht auf die turbulente Atmosphäre im türkischen Fußball, in der Erfolg und Misserfolg in extremer Geschwindigkeit aufeinanderfolgen. Die Fans können nur hoffen, dass der neue Trainer die Kurve kriegt und den Traum von der Meisterschaft wahr werden lässt. Denn am Ende zählt nur der Titel.