Taylor spürt roms derby-fieber: 'mit rensch dürfen wir nicht mal zusammen raus'
Kenneth Taylor atmet Lazio-Kultur mit jeder Minute. Im Januar aus Amsterdam mitgebracht, klappt der Umzug nach Rom nicht nur sportlich – er rast direkt in den Strudel von Stadtrivalität, der so scharf ist, dass sein bester Freund ihm Hausarrest verordnet.
„Ich kann es kaum erwarten, am 17. Mai aufzulaufen“, sagt der 22-Jährige im Gespräch mit Voetbal International. Das Spiel ist noch zwei Monate entfernt, doch Taylor zittert schon jetzt, wenn er die Worte Derby della Capitale ausspricht. „Der Hass zwischen Lazio und Roma ist unglaublich tief.“
Die erste regel in rom: keine gemeinsamen spaziergänge
Der Niederländer ist mit Devyne Rensch befreundet, Rechtsverteidiger von AS Roma – dieselbe Roma, die Lazio-Anhänger in schwarz-weißer Historie als Erzfeind codieren. Die beiden kennen sich aus der Ajax-Jugend, telefonieren weiterhin fast täglich. Doch die Freundschaft verläuft ab sofort digital. „Das Erste, was Rensch mir geschrieben hat, war: Hier dürfen wir auf keinen Fall gemeinsam durch die Stadt laufen“, berichtet Taylor lachend, wobei der Unterton ernst bleibt. Die Botschaft ist klar: Wer im Derby-Kessel Fuß fasst, wählt Seiten – und die sind unversöhnlich.
Für Taylor ist das Neuland. In Amsterdam trägt mal der Bruder Rot-Weiß, der andere Schwarz-Weiß, doch gemeinsam Kaffee trinken geht ohne Eskorte. In Rom hingegen reicht ein Selfie der beiden Gegner, um soziale Medien zu entfachen und Ultra-Gruppen zu alarmieren. „Ich dachte, mein Vorort-Bulle in der Eredivisie sei intensiv. Rom lehrt mich, was Passion wirklich bedeutet“, sagt er.
Seit seinem Transfer im Winter ist Taylor fünfmal für Lazio zum Einsatz gekommen – kurze Einwechselungen, genug aber, um die römische Luft zu schmecken. Trainer Igor Tudor lobt seine Ballsicherheit; die Curva Nord feiert bereits seine Kampfansagen auf Instagram. Der Mittelfeldspieler selbst spürt den Druck, liebt ihn aber: „Wenn 70.000 Leute schreien, verstehe ich vielleicht nur jedes fünfte Wort, aber die Bedeutung trifft mich voll.“

Der countdown läuft: 17. mai, stadio olimpico
Der Kalender tickt. Taylor trainiert zusätzliche Sprinteinheiten, studiert Romes Mittelfeld-Rotation aus Cristante bis Pellegrini. „Wir wollen Europa, sie wollen Europa – beide brauchen diesen Sieg“, sagt er. Dabei schwingt ein Hauptstadt-Klischee mit: Tabellenplätze sind wichtig, aber Stolz ist unbezahlbar. „Wenn wir gewinnen, kann ich Tage später noch durch Trastevere spazieren und werde gefeiert. Verlieren wir, bleibe ich lieber im Trainingszentrum“, gibt er offen zu.
Die Spannung steigt auch, weil beide Klubs in der Serie A nur zwei Punkte trennen. Lazio liegt auf Rang sieben, Roma auf neun – beide jenseits der Champions-League-Ränge, beide mit der Not, Richtung Europa zu sprinten. Taylor weiß: „Ein Derby-Sieg kann eine Saison retten. Ich will Teil dieser Geschichte werden.“
Ob er und Rensch nach dem Schlusspfiff umarmen? „Wir haben es nicht ausgemacht“, sagt Taylor grinsend. „Aber vielleicht treffen wir uns neutral in Amsterdam – dort schert sich keiner für unser Trikot.“ Bis dahin bleibt die Freundschaft auf Sparflamme, das Stadtduell auf Krawall. Und Kenneth Taylor lernt: In Rom ist der Fußball kein Spiel, sondern ein Kapitel in einem Geschichtsbuch, das täglich neu geschrieben wird – mit oder ohne gemeinsamen Stadtbummel.
