Tapola bekommt dreijahresvertrag – didomenico muss gehen

Sechs Spiele, sechs Punkte, ein Dreijahresvertrag. HC Ambri-Piotta hat kurz vor dem Ende der Regular Season Fakten geschaffen – und dabei mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Jussi Tapola, seit dem 27. Januar an der Bande der Leventiner, wird den Verein mindestens bis 2028 prägen. Gleichzeitig musste Chris DiDomenico, der Topscorer des Teams, seinen Koffer packen. Kein Gespräch, kein Abschied. Einfach weg.

Ein dreijahresvertrag nach sechs spielen – mutig oder blauäugig?

Der Verein verkauft die Vertragsverlängerung als strategische Weichenstellung. Ambri wolle künftig für offensiveres, intensiveres und mutigeres Eishockey stehen. Das neue Führungsduo Tapola undLars Weibel soll diese Vision umsetzen. Die Botschaft ist klar: Kontinuität statt Chaos, langfristiger Aufbau statt kurzfristiger Panikreaktion.

Nur: Nach sechs Spielen weiß man schlicht noch zu wenig. Tapola hat die Crunchtime dieser Saison noch nicht überstanden, der Abstiegskampf gegen Ajoie steht noch bevor. Einen Trainer in dieser Phase mit einem Dreijahresvertrag auszustatten, bevor er irgendetwas bewiesen hat, trägt eine gewisse Naivität in sich – gepaart mit der Hoffnung, dass es schon irgendwie klappen wird. Das ist kein Plan. Das ist ein Wunsch.

Der fall didomenico – eine machtdemonstration ohne erklärung

Der fall didomenico – eine machtdemonstration ohne erklärung

Noch aufschlussreicher als die Vertragsverlängerung ist das, was mit Chris DiDomenico passiert ist. Der Kanadier war der beste Scorer im Kader. Kein Disziplinarvergehen, keine sportliche Krise seinerseits – und trotzdem wurde sein Vertrag aufgelöst. Laut watson hat Tapola nicht einmal das Gespräch mit dem Spieler gesucht, bevor er auf der Tribüne saß.

Das ist kein Trainerwechsel. Das ist eine Machtdemonstration. Tapola hat gewonnen – das steht fest. Aber zu welchem Preis? DiDomenico hat noch keinen neuen Verein gefunden. Der Mann steht auf der Straße, während Ambri auf Platz 13 der National League klebt und händeringend Punkte sucht.

Was tapola in bern bereits hinterlassen hat

Was tapola in bern bereits hinterlassen hat

Beim SC Bern hat Tapola schon gezeigt, wie er mit Spielern umgeht, die nicht in sein System passen. Dominik Kahun und Austin Czarnik wurden dort vergrault. In Bern konnte man sich das leisten – der Kader war tief genug. In Ambri ist das anders. Die Dichte an wirklich guten Spielern ist überschaubar, adäquater Ersatz ist nicht mal eben gefunden. Tapola kann sich im Tessin nicht viele solcher Episoden erlauben, ohne die Kabine zu verlieren.

Als vierfacher finnischer Meister und Champions Hockey League-Sieger hat der 51-Jährige bewiesen, dass er erfolgreich arbeiten kann. Aber nur dann, wenn der Kader charakterlich zu ihm passt. Das ist die eigentliche Wette, die Ambri gerade eingeht.

Abstieg droht nicht – aber die dna könnte trotzdem verloren gehen

Abstieg droht nicht – aber die dna könnte trotzdem verloren gehen

Ambri ist nicht der erste Verein, der attraktiver spielen will und dabei vergisst, wer er eigentlich ist. Die Ligastruktur der National League schützt die Leventiner vor dem schlimmsten Szenario – ein echter Abstieg ist strukturell kaum möglich. Das nimmt dem Experiment seinen Schrecken. Scheitert es, bleibt man halt Ambri. Funktioniert es, entzückt man die Liga.

Wahrscheinlich klingt das Letztere nicht. Aber das Schiff wird nicht kentern. Es könnte nur sehr, sehr lange brauchen, bis es den richtigen Kurs gefunden hat – und bis dahin stehen Tapola und Weibel am Steuer, egal was passiert. Der Dreijahresvertrag sorgt dafür.