Szczesny zieht bilanz: „barça war ein geschenk, aber meine uhr tickt“
Wojciech Szczesny hat den Countdown längst im Kopf. „Ich weiß, dass ich nicht mehr lange hier sein werde“, sagt der 35-jährige Pole im TV3-Interview mit Patricia Domínguez – und meint das nicht mal melancholisch, sondern mit der Gelassenheit eines Keepers, der schon zu viele Finals verloren und gewonnen hat. Die Familie liebe Katalonien, das Training mit Barça sei „ein Geschenk“, doch der zweitälteste Spieler des Kaders spürt, wie schnell sich die Uhren im Profifußball drehen.
Die nacht von madrid sitzt noch tief
Atlético war kein Betriebsunfall, sondern eine klare Absage. „Was wir über 180 Minuten gezeigt haben, reichte nicht“, resümiert Szczesny. Kein Geschrei über den VAR, kein Rumgeifere auf die Pfiffe – nur ein Satz, der in der Kabine lauter nachhallt als jede Rede: „Wir haben alle davon geträumt, diese Champions League zu gewinnen.“ Stattdessen schauen sie nun auf das, was übrig bleibt: ein Ligatitel, der am Ende vielleicht nur die Spur von einem Jahrhunderttrophäe wird.
Dennoch: Der ehemalige Arsenal- und Juve-Mann schwärmt von der jungen Garde. „Das Talent und die Einstellung sind eine Garantie für den nächsten Anlauf“, prophezeit er. Gemeint ist Lamine Yamal, gemeint ist Pau Cubarsí, jene Generation, die ihn gerade alt aussehen lässt – und die ihn gleichzeitig mit Stolz schmelzen lässt. „Ich bin stolz, Teil dieser Reise gewesen zu sein“, sagt er, fast schon in der Vergangenheitsform.

Ein keeper, der abschied nimmt, ohne dass es jemand merkt
Die Vertragszeit läuft noch eine Saison, doch Szczesny deutet an, dass er sich keinen Zweikampf mit Iñaki Peña oder einem möglichen Neuzugang liefern will. „Wenn der Klub morgen einen jüngeren, schnelleren sucht, werde ich verstehen.“ Es klingt wie ein Freifahrtschein für die sportliche Leitung, die ohnehin jeden Euro umdrehen muss. Denn was Barcelona braucht, ist nicht ein 36-jähriger Reservist, sondern eine langfristige Lösung im Tor.
Bis dahin aber bleibt Szczesny der große Bruder, der nach dem Training noch fünf Minuten mit Marc-André ter Stegen auf dem Rasen steht, der Yamal die Schienbeinschoner richtet und der nach dem Finale in Madrid als Erster zur Presse kommt, weil er es hasst, zu verlieren. „Ich bin kein Betroffener, ich bin Profi“, sagt er und lächelt – ein Lächeln, das weiß, dass es bald nur noch Erinnerung sein wird.
Die Uhr tickt. Szczesny hört sie lauter als alle anderen. Und trotzdem: Wer ihn in den nächsten Wochen zwischen den Pfosten sieht, spürt, dass er noch lange nicht fertig ist mit Barça. Nur mit sich selbst schon.
