Syndesmose-alptraum: anuk brändli erleidet zweite operation – saison-aus?

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten rissen die Bänder. Anuk Brändli liegt wieder auf dem OP-Tisch, das Skistock-As der Schweiz verliert seine vielversprechendste Slalom-Hoffnung.

Der erste knall in courchevel, der zweite auf dem hausberg

Dezember: 14. Platz in Courchevel, beste Weltcup-Platzierung ihrer Karriere. Januar: Syndesmose-Truma, Comeback in Rekordzeit. März: erneuter Einriss, diesmal mit chirurgischem Finale. Die 22-Jährige aus dem B-Kader hat in dieser Saison mehr Stunden in der Reha als auf der Piste verbracht – und trotzdem 30 Weltcup-Punkte gesammelt, mehr als in allen Jugendjahren zusammen.

Die Operation erfolgte in St. Moritz, Spezialist Dr. Christian Candrian verankerte eine sogenannte TightRope-Platte. Kein klassischer Schraubenkonstrukt, sondern eine flexible Lösung, die früheres Skifahren erlauben soll. Frühestens. Denn selbst bei perfekter Heilung steht die Frage im Raum: Wie viel Belastung verträgt ein Gelenk, das innerhalb eines Winters zweimal kollabierte?

Zwischen hoffnung und harter medizin

Zwischen hoffnung und harter medizin

Brändlis Umfeld spricht offen von „Saison-Vorbereitung 2026/27“. Das ist Sportsprech für: Dieses Jahr ist gelaufen. Die Technikerin mit dem rasanten Kantenwechsel muss nun einen Mentalkraftakt vollbringen – das Gedächnis des Körpers arbeitet gegen sie. Jede Drehung im Slalom provoziert exakt die Scherkräfte, die das Syndesmoseband zerrissen.

Doch die Sportlerin selbst postet aus dem Krankenzimmer ein Foto mit Daumen-hoch – und einem Hashtag, der verrät, wie tief die Verletzung gesellschaftlich spürbar ist: #GirlsSupportGirls. Ihre Kolleginnen Corinne Suter und Wendy Holdener organisieren einen Essenslieferdienst, Mikaela Shiffrin schickt eine Sprachnachricht. Die Skiwelt ist ein Dorf, und im Dorf kümmert man sich.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Innerhalb von zwölf Monaten fielen bei Schweizer Slalom-Damen bereits drei Kreuzbänder, zwei Syndesmosen und eine Schulterluxation. Material oder Methode – der Verband wird intern Prüfungen starten. Denn eines ist sicher: Ein Talent wie Brändli kann sich die Schweiz nicht leisten zu verlieren. Nicht jetzt, wo das nächste WM-Zyklus-Ticket für St. Moritz 2027 bereits in der Tasche war.