Thc zittert sich zur diva: pokal-k.o. wirft herbert müller um vier stunden schlaf
Die Handballerinnen des Thüringer HC haben sich selbst den Teller zerschlagen – und Trainer Herbert Müller die Nacht geraubt. „Es hat richtig wehgetan. Es war eine schlaflose Nacht“, sagt er, als hätte ihm jemand Salz in eine frische Wunde gestreut. Das Final-Four-Desaster gegen HSG Bensheim-Auerbach kostete mehr als nur den Pokal: Es entlarvte die Achillesferse des Meister-Kandidaten.
Die launische diva trägt pink
Müller nennt sein Team eine „launische Diva“. Treffender könnte man es nicht sagen. Am Mittwoch bezwingen die Thüringerinnen Europas Crème de la Crème, am Samstag verabschieden sie sich mit einem Achterbahn-Spiel gegen den Außenseiter. Die Schwankungen sind nicht nur statistisch: Sie sind ein Stimmungsbild. 60 Minuten lang schwankt die Anzeigetafel zwischen Glanz und Irrsinn, je nachdem, ob die Defense ihre Zweikämpfe gewinnt oder eben nicht.
Die Zahlen sind gnadenlos: 34 Gegentore im Halbfinale, 13 Ballverluste in der zweiten Hälfte. „Wir kriegen immer recht viele Tore, obwohl wir sehr viele auch werfen“, sagt Müller und klingt dabei wie ein Mathematiker, der die Formel für „Konstanz“ noch nicht entschlüsselt hat. Dabei liegt das Problem nicht im Torwurf – der klappt –, sondern im Wann und Wo. Zu viele Kreisläufer-Würfe aus acht Metern, zu wenig Tempogegenstöße aus dem Lauf.

Die hochzeit ist geplatzt, zwei brautkleider hängen noch im schrank
Die Saison ist damit nicht gelaufen. Sie ist nur schwieriger geworden. Am Sonntag fliegt die Mannschaft nach Nykøbing Falster, wo das dänische Spitzenteam bereits die Sektkühler kaltgestellt hat. Hinspiel in Dänemark, Rückspiel eine Woche später in Bad Langensalza. Dazwischen ligaintern ein Ost-Duell bei Sachsen Zwickau und die Revanche gegen eben jene Bensheimer, die ihnen den Pokal klauten.
Müller hat vier Tage, um seine Diva zu beruhigen. Vier Tage, um der Wurfeffizienz von 54 % aufzupolieren, um die Abwehr umzustellen, um den Schlaf wiederzufinden. „Wenn man auf drei Hochzeiten tanzt, kann es passieren, dass eine wegrennt“, sagt er und schmunzelt dabei, als wüsste er, dass genau diese Flucht die Spannung erhöht. Die Bundesliga-Meisterschaft und die EHF European League sind die beiden verbliebenen Brautkleider. Keine davon ist billig zu haben.
Die Fans in Erfurt warten auf den Moment, in dem die Diva nicht mehr launisch, sondern lautstark jubelt. Die Uhr tickt. Und Müller? Der trinkt seinen Kaffee schwarz, ohne Zucker. Weil bittere Medizin besser wirkt. Der Titel ist noch drin. Aber das nächste Mal muss das Ensemble stimmen – sonst bleibt am Ende nur die Erkenntnis, dass eine Diva ohne Konstanz am Broadway keine Rolle bekommt.
