Swiss-ski tauscht die macht: epp kehrt an den speed-thron zurück
Silvan Epp ist wieder da – und er übernimmt sofort das Ruder. Nach nur einer Saison gibt Stefan Abplanalp die Leitung der Weltcup-Gruppe der Schweizer Speed-Damen zurück. Für Epp ist es ein Déjà-vu mit Ansage: Er soll den Generationswechsel einleiten und die nächsten Olympiasiegerinnen formen.
Der wechsel kommt schneller als ein super-g-zielsprung
Die Verantwortlichen von Swiss-Ski hatten den Zeigefinger schon länger auf dem Reset-Knopf. Die vergangene Saison war ein ständiges Auf und Ab: Comebacks, Re-Verletzungen, dazwischen vier Podestplätze von Corinne Suter und ein Heimsieg von Malorie Blanc in Crans-Montana. Genug, um die Stimmung hochzuhalten, aber nicht genug, um die Strukturfragen zu übertünchen. „Wir brauchen frischen Wind“, sagt Hans Flatscher, Direktor Ski Alpin, und meint damit Silvan Epp.
Epp ist kein Unbekannter. Von 2016 bis 2018 betreute er bereits die Speed-Damen, danach schob er sich bei den Männern zwischen Welt- und Europacup, sammelte Erfahrung im Nationalen Leistungszentrum Mitte und arbeitete privat mit seiner heutigen Frau Andrea Ellenberger. Jetzt, mit 44 Jahren, kehrt er zurück – nicht als Feuerwehrmann, sondern als Architekt.

Abplanalp muss, epp darf
Stefan Abplanalp kam erst im Frühjahr 2025, als Nachfolger von Roland Platzer, an Bord. Sieben Monate später ist er wieder draußen. Offiziell: „Gemeinsame Analyse, gemeinsamer Schluss.“ Inoffiziell: Die Saisonbilanz war zu dünn für die Olympiavorsaison. Flatscher lobt die „anspruchsvolle Situation gut gemeistert“, aber die Podestquote bleibt unter dem, was Swiss-Ski für Milano-Cortina 2026 erwartet. Deshalb darf Abplanalp jetzt „Gespräche über eine neue Rolle“ führen – ein sanftes Abstellgleis, auf dem viel Know-how parkt.
Epp übernimmt ein Team, das zwischen Erfahrung und Verjüngung schwankt. Corinne Suter, 2021 zur Abfahrtsweltmeisterin gekürt, will nach ihrer Patellasehnen-Pause wieder Vollgas geben. Jasmine Flury, 2023 Gold im Super-G, sucht die Konstanz. Dahinter drängen Joana Hählen, Delia Durrer und die erst 22-jährige Malorie Blanc. Die Balance zu finden, wird Epps Hauptauftrag.

Die uhr tickt laut richtung 2026
Mit nur eineinhalb Jahren bis zu den nächsten Olympischen Spielen ist die Zeit kein Luxus, sondern ein Gegner. Epp muss sofort Prioritäten setzen: Wer bekommt die Startplätze in der Abfahrt? Wer wird im Super-G zum Risikofahrer umgeschult? Und wie integriert er die jungen Wilden, ohne die Routiniers zu verprellen? Die Antworten fallen auf seine Tischplatte in der Swiss-Ski-Zentrale in Magglingen.
Ein Detail verrät die Strategie: Epp bringt seine Erfahrung aus der Sportmittelschule Engelberg mit – einem Ort, an dem Talente nicht nur gefördert, sondern geformt werden. Er kennt die Drill-Inhalte für 17-Jährige und weiß, welche Übungen 28-Jährige brauchen, um die letzten Hundertstel zu kratzen. Dieses Wissen war 2018 Gold wert, es könnte 2026 wieder Edelmetall bedeuten.
Swiss-Ski setzt auf Kontinuität in der Diskontinuität. Abplanalp durfte sieben Monate lang wackeln, Epp bekommt sofort Rückendeckung. Die Devise lautet: Kein Kontrollverlust vor den Winter-Asien-Spielen. Die Athletinnen werden es spüren – beim ersten Training auf Eis und Schnee, spätestens aber beim ersten Zielsprung, wenn der neue alte Chef an der Stange steht und die Uhr schon 130 km/h anzeigt.
