Suter knallt in den zweiten rang und sprengt ihre selbstzweifel

Sofia Goggia holt sich die kleine Kristallkugel, Corinne Schwyz holt sich ihr Selbst zurück – 0,31 Sekunden fehlten im letzten Super-G des Winters, doch die 32-Jährige feierte den zweiten Platz, als wäre es Gold.

Die fahrt, die alte ketten riss

Am obersten Abschnitt von Sun Valley lag Suter noch vier Zehntel vorn, dann rutschte sie im Zielhang einen Hauch zu weit nach außen, verlor die Linie, riss die Ski wieder herum – und war trotzdem schneller als die Verfolgung. „Ich habe heute nicht reagiert, ich gehandelt“, sagte sie im SRF-Mikrofon. Kein Zittern mehr, kein „Geht das überhaupt?“, das sie sich während der Formkrise Anfang Februar noch selbst stellte. Stattdessen: Vollgas durch die Wellen, aktiv gedrückt, Schneekontakt bis ins Ziel. Marc Berthod nannte es „Kampf-Hocke“, Suter nennt es einfach „mein altes Gesicht“.

Die Saison war eine Achterbahn: Ausriß, Platzwunde, Rang 19 in Kvitfjell, Rang 24 in Garmisch. Zwischen den Rennen stand sie mit den Coaches auf der Piste, starrte den Hang an und fragte sich, ob die Beine noch zuverlässig Feuer geben. Die Antwort kam gestern um 11.42 Uhr Ortszeit, als das rote Licht auf Grün sprang und sie die erste Zwischenzeit um 0,19 Sekunden unterbot.

Verletzte kolleginnen und ein funken hoffnung

Verletzte kolleginnen und ein funken hoffnung

Die Schweizer Damen-Abfahrt liegt seit Lara Gut-Behramis Kreuzbandriss und Jasmine Fluris Schulter-OP nahezu still. Die Verantwortung lastete auf Suter – und sie spürte jedes Gramm. „Wenn du weißt, dass hinten niemand nachrückt, wird aus Druck Pflicht“, sagte sie. Der zweite Platz hebt nicht nur ihre persönliche Statistik auf 16 Weltcup-Podestplätze, er schickt auch ein Signal ans Team: Die Kapitänin ist zurück, bevor die nächste Generation übernehmen muss.

Jetzt stehen zwei Tage Materialtest an, dann die Schweizer Meisterschaften in Lenzerheide. „Urlaub ist erst mal nur ein Wort im Kalender“, lacht sie. „Aber ich fahre mit leerem Kopf nach Hause – das ist der schönere Zustand.“

Die Saison endet mit 176 Punkten Vorsprung für Goggia. Für Suter beginnt gerade wieder ihre eigene.