Dorothy hamill: 50 jahre nach dem doppel-triumph kämpft sie noch immer
Vor einem halben Jahrhundert schwang sie sich in Göteborg zur Weltmeisterin – nur Wochen nach Olympia-Gold. Die Kombination aus Power und Poesie, dazu der kesse Bubikopf, machte Dorothy Hamill zur Ikone. Doch hinter dem Strahlen wartete schon damals ein Schatten, der sie bis heute verfolgt.
Gold ohne mutter im stadion
In Innsbruck fehlte die wichtigste Zuschauerin. Ihre Mutter blieb im Hotel, depressiv, nüchtern, ohne ein Wort des Lobes. Hamill lief trotzdem die perfekte Kür – ohne Dreifachsprung, ohne Netz, ohne jeden Halt. Letzte Eiskunstläuferin, die mit dieser Leistung die Spitze erklimmen durfte. Eine Pirouette später als „Hamill Camel“ getauft, patentiert von einer 19-Jährigen, die eigentlich nur Bestätigung suchte.
Was folgte, war das amerikanische Märchen: Werbeverträge, eine Puppe, ein Emmy für „Romeo & Juliet on Ice“. Doch der Ruhm frisst. Dean Paul Martin, Sohn von Legende Dean Martin, wurde ihr erster Ehemann – getrennt nach einem Sommer, in dem sie kaum das Eis berührte. Kurz danach stürzte er mit seiner Maschine ab. Hamill musste nicht nur Witwen-Trauer, sondern auch Schuldzuweisungen aushalten.

Konkurs, verrat und brustkrebs
Mit Ehemann zwei kaufte sie die Ice Capades, um selbst das Zepter zu schwingen. Pleite 1994. Dann die Fotos: er mit einer Jüngeren. Zweite Scheidung. 2008 diagnostizierten die Ärzte Brustkrebs. Hamill erzählte es öffentlich, um anderen Mut zu machen – und merkte, dass ihre Tochter Alexandra dieselbe Depression erbt, die durch drei Generationen wandert.
Heute, mit 69, kann sie an manchen Tagen nicht einmal die Geschirrspüler einräumen. Medikamente, Therapie, Eis. Das ist ihre Dreifach-Kombination. „Diese kühle Luft… das holt mich raus“, sagt sie. Und so fährt sie noch immer ihre Runden, nicht für Medaillen, sondern für Minuten, in denen der Schatten kleiner wird.
50 Jahre nach Göteborg bleibt die Erkenntnis: Selbst das perfekte Sportlerjahr kann eine zerbrochene Familie nicht kitten. Hamill beweist, dass man mit zersplitterten Ecken trotzdem weiterlaufen kann – ein Bein vor dem anderen, Eis unter den Kufen, Musik im Ohr. Die Krone ist längst verblasst, aber die Eiskunst ist geblieben. So wie ihre Geschichte: glänzend und rissig zugleich.
