Stuttgart schrammt an blamage vorbei – erfurt zwingt meister in die knie
Allianz MTV Stuttgart wackelt, ringt, winselt – und steht trotzdem auf Zwischenmatchball. Der haushohe Favorit brauchte fünf Sätze, zwei Aufholjagden und jede Menge Nerven, um den Außenseiter Schwarz-Weiß Erfurt mit 3:2 zu bändigen. Die Thüringerinnen führten zweimal, lachten zwischen den Seitenlinien, bevor Krystal Rivers und Silvia Johnson im Tiebreak den Hahn zudrehten. 15:8 hieß es am Ende, 1:0 in der Serie – mehr nicht.
Was diese beinahe-pleite über stuttgarts titelchancen verrät
Trainer Stefan Moser redete sich nach dem Schlusspfiff auf „Playoff-Nervosität“ heraus. Klingt nach Standard-Kitt, hat aber Hand und Fuß: Seit der Hauptrunde patschen die Schwäbinnen nur noch auf Sparflamme. 0,92 Fehlaufschläge pro Satz – das ist kein Tippfehler, sondern die schlechteste Quote aller Viertelfinalisten. Gegen Erfurt schlichen sich 18 Aufschlagfehler ein, doppelt so viele wie in der kompletten Vorschlussrunde gegen Münster.
Und dennoch: Stuttgart gewinnt, weil Erfurt im fünften Satz den Sprung nicht wagt. Lina Hähnel blockt bei 9:8 den versuchten Rückschlag von Mariella Knolle, Rivers knallt von Position zwei die 12:8-Führung. Thüringen stimmt, die Halle verstummt. Der Rest ist Formsache.

Thüringen dominiert die gegend – suhl folgt mit sieg gegen wiesbaden
Während Stuttgart noch duscht, macht VfB Suhl Lotto Thüringen schon den zweiten Schritt Richtung Halbfinale. Gegen VC Wiesbaden reicht ein souveränes 3:1, obwohl Satz zwei verloren geht. Laura Dijkema verteilt 42 Zuspiele, Lisa Thomsen erzielt 18 Punkte – und Suhl spielt sich mit dem zweiten Heimspiel am Mittwoch in Best-of-three auf Matchball.
Dresden und Schwerin hingegen hatten am Samstag keine Zeit für Dramen. Beide Teams fegten ihre Gegner mit 3:0 vom Feld, als hätte es die Regular Season nie gegeben. Kein Wunder: Dresdens Neuzugang Valentina Diouf warf 19 Angreifer-Punkte in 45 Minuten, Schwerins Mittelblock stand wie eine Betonwand – nur 34 Gegenpunkte in drei Sätzen.

Die zahlen, die stuttgart beunruhigen sollten
Die Statistik lügt selten: In den letzten fünf Jahren verlor kein Hauptrundenmeister sein Eröffnungsspiel und holte dennoch den Titel. Stuttgart muss also Geschichte umschreiben – oder sich endlich steigern. 45 % Annahmequote gegen Erfurt, das ist unter Liga-Durchschnitt. Und wenn Suhl oder Dresden schon in der Runde danach lauern, reicht ein schlechter Tag nicht mehr für ein 3:2-Experiment.
Am Mittwoch steigt Spiel zwei in Erfurt. Die Thüringerinnen haben nichts zu verlieren, Stuttgart alles. Der Meister darf erneut wackeln – aber diesmal droht keine fünfte Verlängerung, sondern ein entscheidender Dämpfer. Die Serie ist offen, der Favorit warnte. Und wer nicht hören will, muss eben fühlen.
