Stuttgart fliegt raus, wohlgemuth zündet nächste stufe: jetzt zählt nur noch der pokal
0:2 in Porto, 1:4 im Gesamtscore – raus aus Europa, rein in den Pressure-Cooker. Fabian Wohlgemuth wartete keine fünf Minuten, bevor er die Saison neu justierte: Halbfinale gegen Freiburg, Platz vier in der Bundesliga, sonst wird 2025 zum Déjà-vu des Debakels.
Diogo costa war das erste abstellgleis, stuttgart muss jetzt das zweite finden
Der Keeper der Dragões nahm acht xG-Top-Chancen mit Handschuhen weg, die in der Bundesliga längst Netzklingel gemacht hätten. Wohlgemuth spricht vom „Lehrstück an Effizienz“ – ein Satz, der in Wahrheit lautet: Wir dominieren, aber wir toten das Spiel nicht. Victor Froholdts Drop-Kick aus 22 Metern war der Stecker, den niemand kommen sah. Stuttgart lief an, bis der Gegner nur noch die Arme heben musste.
Die Statistik, die niemand an der Schwabentafel anschlägt: In zwei Duellen gegen Porto 1,9 Expected Goals mehr, aber null Tore. Die Liga verzeiht solche Lücken, Europa nicht. Und die Champions League schon gar nicht – die droht, wenn Freiburg am 2. April nicht die Kurve bekommt.

Freiburg kommt mit mehrkilometern, stuttgart mit mehrfrust
Christian Streichs Mannen turnten 120 Minuten gegen West Ham, Stuttgart saß daheim auf der Couch. Vorteil? Wohlgemut schulterzuckt: „Breiter Kader ist kein Buzzword, sondern unsere Versicherung.“ Tatsache: Seit Januar rotiert Sebastian Hoeneß mit 22 Feldspielern, die alle schon zweistellige Pflichtspielminuten haben. Die Frage ist nicht, wer ersetzt wird, sondern wer sich in die Kopfrolle des Pokalhelden schreibt.
Die letzte Zeile des Drehbuchs kennen alle: 2024 gegen Arminia Bielefeld im Finale, danach Einbruch auf Rang neun. Ohne den Pokalsieg gäbe es dieses Jahr kein Europa-Aus, weil es gar keine Europa-Reise gäbe. Wiederholung verboten – sonst wartet 2026 ein noch längeres Gruppenstadium.
Mitte April entscheidet sich, ob Stuttgart erstmals seit 1992 zweimal hintereinander ein Finale bestreitet. Dazwischen liegen noch acht Liga-Spiele, eine theoretische Champions-League-Quali und die unausgesprochene Drohkulisse: Verpasst man die Top vier, kostet das laut internen Kalkülen 25 Millionen Euro – Geld, das für die Gehälter von Serhou Guirassy und Waldemar Anton locker reichen würde.
Die Uhr tickt. Wohlgemuth hat den Spielern eine 48-Stunden-Mourning-Phase verordnet, dann beginnt „Project Reset“. Wer nicht umschalten kann, fliegt raus – diesmal nicht aus Porto, sondern aus den Zielen der Saison. Die Botschaft: Kein Zeitlupentrauern, nur Vollgas. Der Pokal ist kein Trostpreis mehr, er ist das letzte Ticket nach oben.
